Schming und weg

(Fast) Zu schön, um wahr zu sein – Koh Phi Phi

Hihi, an den lustigen Namen Koh Phi Phi (klingt korrekt ausgesprochen ein bisschen nach einem dringenden Bedürfnis) musste ich mich erstmal gewöhnen 😅 … Und hatte auch länger überlegt, ob ich da überhaupt hinfahren wollte, da die Insel doch einen gewissen Ruf als Party-Insel hat, wie mir auch Andrea bestätigte. Nun, wenn man nicht “mitten im Geschehen“ wohnt, ist sicherlich schon viel gewonnen. Und neben dem Partyruf soll sie eben auch sehr schön sein.

Aber irgendwie war Koh Lanta für mich auch “durch“, wenn ich die Insel auch echt ins Herz geschlossen habe, nicht zuletzt die Mitarbeiter im Hubs of Joys Hostel. Und das beruhte offenbar auf Gegenseitigkeit – eine der Damen (sie sprach kein Wort Englisch) drückte mir zum Abschied einen kleinen Elefanten-Schlüsselanhänger in die Hand. Das hat mich wirklich sehr gerührt und gefreut. Auch der Abschied von den anderen Damen war sehr herzlich, bevor es mit dem Songthaew zum Pier ging, wo die Fähre nach Koh Phi Phi abfuhr. Es war ein wunderbarer Tag für eine kleine Bootsfahrt!

An Bord verkaufte mir eine geschickte Fährmitarbeiterin auch schon direkt mein (offenes) Ticket nach Phuket. “You pay more on Phi Phi.“ Hmmh, ob das wohl so stimmte? (Es stimmte, ich habe maximalen denselben Preis bei den Travelagencies gesehen, meist mehr) Aber ich wollte ja sowieso nach Phuket, da ich mich dort mit einem sehr guten Freund, dem Thomas, verabredet hatte.
Der erste Blick auf Phi Phi war beim besten Wetter wirklich vielversprechend: Wunderschön lag die Insel vor uns, in glitzerndem blauen Wasser, gesäumt von weißem Sand, und darüber erhoben sich die Berge. Ach ja, das hatte ich gelesen, den Viewpoint durfte man hier wohl nicht verpassen. Ich verstand schon jetzt, wieso. Beim Betreten der Insel war für uns Foreigners mal wieder Eintritt fällig, aber mit 20 Baht kann ich gut leben, so sie denn wirklich zur Müllbeseitigung verwendet werden.

Mein Hostel lag fußläufig vom Pier und dort ein Stück weg von der Haupt-Touriarea (siehe Partyinsel) und ich musste ein bisschen suchen sowie meine Karten-App konsultieren, bis ich es gefunden hatte. Man musste durch eine nette, kleine Gartenanlage gehen, wo sich einige Katzen tummelten, um den Eingang zu finden. Das Hostel selber hatte dann eher den Charme einer Fabrikhalle (war halt günstig und weg von der Partyzone)… Aber sie punkteten direkt bei mir, weil sie mich – als ich nach einem bottom bed fragte (im Gegensatz zu früher auf Klassenfahrten ist bei dem Gros der Backpacker das untere Etagenbett beliebter, weil deutlich angenehmer), ohne Aufpreis in den etagenbettenfreien 4-Betten-Female-Dorm steckten, wo ich auch noch ein Mädel aus dem “Hubs“ wiedertraf. Und Charme ist bei bei zwei Nächten auch völlig überbewertet. Der Aufenthalt dort war dann allerdings aus der Kategorie “very Basic“, da es dort außer nicht besonders dollen Sanitäranlagen buchstäblich nichts gab. Doch, WLAN hatten sie.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, die unmittelbare Umgebung zu erkunden (unfassbar viele Katzen auf dieser kleinen Insel), etwas zu essen und mich darauf zu freuen, dass ich am nächsten Tag die Gelegenheit haben würde, Rachel aus York in England wieder zu treffen. Wir hatten uns sechs Wochen vorher in Chiang Mai kennen gelernt, dann nochmal in Pai kurz gesehen und danach ganz unterschiedliche Reisewege eingeschlagen. Sie war hauptsächlich in Thailand geblieben und hatte sich die Inseln angesehen, ich war nach Laos und Malaysia gereist. Nun hatte sie dank Facebook gesehen, dass wir uns gerade im gleichen Gebiet bewegten und mich angeschrieben. Wie cool!

Übrigens muss ich bei dieser Gelegenheit auch nochmal betonen, was für ein tolles Tool Facebook bei so einer Reise ist. Du kannst Leute, die du triffst, schnell adden und hast sie dann für mögliche weitere Treffen im “Zugriff“, der Messenger ist perfekt für Verabredungen, wenn man sich gerade im Hostel nicht findet oder über Planungen informieren möchte und wie viele Bilder ich darüber schon ausgetauscht habe, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Bei aller teils berechtigten Kritik, Facebook hat vieles vereinfacht.

Auf Phi Phi habe ich mir schließlich einen schon lange lange überfälligen foot scrub gegönnt – also eine professionelle Entfernung der Hornhaut an meinen Füßen. Die Dame in dem kleinen Salon, den ich mir dafür ausgesucht hatte, war tatsächlich schwer beeindruckt vom Zustand meiner Füße 😊 …ey, kommen hier sonst keine spazieraffinen Traveller her? Zur Ursachenforschung reichte ihr Englisch zum Glück nicht, aber ich erklärte ihr, dass es auch zum Teil vererbt war. “My father also has feet like this.“ – „Oh? He should come here, too, then. Is he here?“ Ähm, nee, nicht direkt, aber ich werde ihn bei Gelegenheit vorbeischicken. Was genau die nette Ladycmit meinen Fußsohlen so anstellte, will ich gar nicht so genau beschreiben (zwei Rasierklingen!), aber es war auf alle Fälle total angenehm und meine Füße sahen hinterher wirklich aus wie der sprichwörtliche Kinderpopo. Lief sich wie auf Wolken – und ich rutschte plötzlich mehr in meinen geliebten Okabashis! Nö, coole Erfahrung, definitiv. (Update 27.03.: Die Mauken sehen mittlerweile aber wieder aus wie vorher… )

Am nächsten Tag hatte ich mir den Viewpoint vorgenommen und zwar bevor die große Tageshitze einsetzte. Ganz so zeitig kam ich dann doch nicht los, aber trotzdem war der große Ansturm noch nicht in Gang. Besonders gut vorbereitet hatte ich mich tatsächlich nicht, ich folgte einfach den Wegweisern, die ich am Abend vorher gesehen hatte – und die führten auf einem nicht anspruchslosen, aber auch für Flachlandtiroler wie mich machbaren Pfad spiralförmig um den Berg herum. Leichte Anfälle von Größenwahn, als ich sogar mehrere Tourigruppen mit gleichem Ziel flotten Schrittes überholte. Der Weg führte dann in das Waldstück, wo es teils etwas kniffelig war, noch Hinweise zu finden, wo es denn nun lang ging, bis ich schließlich vor einem Wegweiser stand, dessen drei Arme jeweils die Richtungen von Viewpoint 1, 2 und 3 auswiesen. Aha… Zäumen wir den Gaul mal von hinten auf, ab zu Numero 3!
Das war noch ein ganz schönes Stück durch den Wald. Aber die Belohnung für all‘ die durchaus anstrengenden Mühen ließ nicht lange auf sich warten – Viewpoint 3, eine einfache Holzplattform mit angrenzendem Snackshop für kalte Getränke und Eis, bot einen fantastischen Blick sowohl über das schmale Stück, wo die Insel in den unbewohnten, weil naturgeschützten Teil, überging und auf beiden Seiten verschiedenfarbiges Wasser zu haben schien, als auch Richtung offenes Meer, wo man die vielen kleinen vorgelagerten Inseln sehen konnte. Zumal hatte ich einen perfekten Tag erwischt – der blaue Himmel über dem glitzernden Meer…Aber ich fange an, mich zu wiederholen.

Natürlich wollte ich gern auch ein – zwei Fotos von mir und der Aussicht haben – und stand mal wieder vor dem üblichen Solo Traveller Problem: Man muss jemanden fragen. Fällt mir ja nicht immer leicht. Aber da turnte gerade eine dreiköpfige Gruppe äußerst gut gelaunter Briten rum, die mich baten, sie zu dritt abzulichten, das war natürlich die Gelegenheit, zu fragen, ob sie mich auch … Schon schnappte sich einer dieser aufgedrehten Burschen meine Kamera und rief mir beim Knipsen nonstop Instruktionen zu, bei denen ich Mühe hatte, Ernst zu bleiben. Na, das sind sicher ganz tolle Bilder geworden. Aber der Gipfel war die Anweisung “Do the teapot!“ …Do the WHAT? Ach so, Hand in die Hüfte, anderer Arm ausgestreckt. Man lernt nicht aus.

NICHT der teapot

Dann konsequenterweise rüber zu einem der anderen Viewpoints, glaube, es war Nummer 1. Wo der andere war, habe ich nicht rausbekommen, aber nach dem Bezahlen (dieser kostete im Unterschied zum 3. Geld, irgendwie 30 Baht oder so) wurde ich nochmals mit einem fantastischen Blick belohnt, der diesmal mehr zur Stadt- und Long Beach-Seite rausging. Hier war alles wirklich hübsch angelegt worden, mit einem Steingarten, Skulpturen und einem hübschen “Phi Phi Viewpoint“ Schild, aber automatisch auch viel mehr Leute. Also habe ich relativ fix meine Fotos gemacht und gemacht bekommen (und bei der Gelegenheit mal eine der neuen Polaroidkameras in der Hand gehabt – auch nicht verkehrt, so ein Ding) und mich direkt an den Abstieg gemacht, der überraschend steil war… Da hätte ich es im Leben nicht rauf geschafft. Plötzlich war auch klar, warum der Viewpoint so einen toughen Ruf hatte. Wenn die Leutis da raufkeuchen…

Ich hatte kaum Zeit zum Duschen, da kam auch schon Nachricht von Rachel, die Parole Strand ausrief. Na, kein Problem! War nett, von ihren Erlebnissen auf den thailändischen Inseln zu hören, ich erzählte von Malaysia und meinen Erfahrungen und gemeinsam reminiszierten wir über Chiang Mai und Pai … Und ihre Freundin, die immer verlorenging. 😅 Das mit dem Schwimmen stellte sich aber als Finte raus – nach einiger Zeit in der Sonne wollte ich mich im Wasser abkühlen und lief hinein. Und lief. Und lief. Und lief. Und es wurde NICHT flacher. Das blöde Meer ging mir immer noch nur bis knapp unter die Knie. Hab ich mich halt hingesetzt, aber so eine flache Bucht hatte ich bisher auch noch nicht. Kann sein, dass gerade Extremebbe war, keine Ahnung, aber das war echt ein Satz mit X.

Abends gab’s dann mediterran-türkische Küche im Efe, das bei TripAdvisor recht hohe Bewertungen hatte – und mein Gemüse-BBQ war echt richtig lecker. Dann wollte sie gern die Feuershow in der Cocktail bar am Strand sehen. Uff, noch ne Feuershow? Aber Lust auf einen Cocktail hatte ich definitiv auch – und die Jungs mit ihren brennenden Stöcken, Kugeln, allem, brachten mich auch beim dritten Mal zum Staunen, weil ihre Nummern doch wieder komplett anders waren. Besonders gut gefiel mir das Flammenkugel-schwingende, Moonwalk-tanzende Michael-Jackson-Double (zu “Smooth Criminal“) und die zahlreichen Male, wo sie die Zuschauer einbezogen. Nur: Die Länge stimmte nicht. Es nahm überhaupt kein Ende. Vermutlich drei nach dem Motto “Je mehr es zu sehen gibt, je mehr bestellen die Leute auch.“, stimmt bestimmt auch, aber irgendwann war die Luft raus.

Bei Rachel und mir dann auch – sie würde noch bleiben, ich würde weiter nach Phuket schippern. Ein bisschen schade war es, denn Phi Phi gefiel mir schon richtig gut und mit einem Tag mehr hätte ich mir – vermutlich ganz kuschelig zusammen mit dreitausend anderen Touristen – den berühmten Strand der Maya Bay aus Leonardo DiCAprios “The Beach“ angesehen. Aber was soll’s. Eigentlich war der Film ziemlich grottig.
Song der StundeMichael Jackson – Smooth Criminal (war ja klar)

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