Schming und weg

Wat für’n Wat? – Angkor Wat! (Siem Reap Teil 1)

Der Alltag hat mich schon wieder fest in seiner hellgrauen Hand, aber es gibt immer noch ein paar Stationen auf der Reise, über die ich noch berichten möchte – bevor das Vergessen einsetzt.

Also, wo haben wir uns zuletzt befunden? Achja, Phuket, Thailand. Die Insel des Lotterlebens, Strand, Sonne, Meer, gutes Essen, herrlich. Aber damit war nun erstmal Schluss, ich hatte mir noch ein Stück Kultur vorgenommen und entsprechend einen Flug nach Siem Reap in Kambodscha gebucht. Das Ziel? Na klar, Angkor Wat, diese gewaltige Tempelanlage erbaut im 10. bis 12. Jahrhundert, die es sogar bis auf die kambodschanische Flagge geschafft hat. Das Wahrzeichen Kambodschas und ein echtes Must-See, wenn man schon mal „auf der Ecke“ ist, waren sich alle travel buddies einig, die es schon besucht hatten.

Nach den vielen Booten beim thailändischen Inselhopping war es direkt Luxus, nun wieder in den Flieger zu steigen und – mit Zwischenstopp in Bangkok – im Nullkommanichts nach Siem Reap zu jetten. Aber so langsam wurde die Zeit eben doch knapp, es war schon Mitte März, und da machte es natürlich Sinn, sich nicht 2 Tage in einen engen Bus zu quetschen, um vielleicht ein paar Euro zu sparen. Stattdessen wurde ich auf den zwei knapp einstündigen Flügen von Bangkok Airways total verwöhnt und genoß den erstklassigen Service sowie zwei Mahlzeiten (!). Bereits im Flieger musste ich mich mal wieder mit diesen lustigen Einreiseformularen für das Visa-on-arrival beschäftigen. Gleich kam wieder Nervösität auf. Hatte ich genug US-Dollar getauscht? Würde es Probleme geben, weil ich diesmal kein Passbild dabei hatte, wie es eigentlich erforderlich war?

Super Veggie-Meal an Bord von Bangkok Airways

Hübsche „Eintrittskarte“ mit Angkor Wat vorne drauf

Nach den wirklich ausgesprochen angenehmen Flügen und kurzem Aufenthalt in Bangkok landeten wir pünktlich abends auf dem kleinen Flughafen von Siem Reap. Die Spannung hinsichtlich des Visums stieg bei mir – zuletzt hatte ich die Prozedur ja bei der Einreise nach Laos gehabt. Aber die Aufregung war unnötig. Ich reichte meinen Pass, die regulären 30 Dollar für das Visum bei Ankunft plus 2 Dollar „Strafe“ für das fehlende Passbild an den zuständigen Beamten und konnte dann wunderschön verfolgen, wie mein Pass zusammen mit vielen anderen Pässen ein regelrechtes Fließband durchlief: 7 hübsch uniformierte Beamte saßen in einer Reihe und reichten sich den Packen durch. Einer stempelte, einer schrieb, einer klebte, usw. Und am Ende hielt der 7. meinen Pass hoch und suchte die Besitzerin. Jo, hier!
Nach den Horrorstories, die ich über die Einreise nach Kambodscha über Landweg gelesen hatte, war das hier ein Spaziergang. Wieder alles richtig gemacht 😀

Frisch eingereist machte ich gleich Bekanntschaft mit der kambodschanischen „Nationalhymne“: „Hey lady, Tuk-Tuk?“ (keinen Satz habe ich öfter gehört…) Ja gut, in diesem Fall blieb mir nichts anderes übrig, 5 Dollar wollte der nette Mann haben, hatte nur leider keine Ahnung, wo mein Hostel war und setzte mich irgendwann entnervt in der Nähe der PubStreet ab (von dort war es dann auch nicht mehr weit). Tja, tatsächlich waren US-Dollars in Kambodscha – im Gegensatz zu Laos – nicht nur für das Visum, sondern ganz generell das bevorzugte Zahlungsmittel, wohingegen die lokale Währung Riel nach meinem Empfinden eher ein Aschenputtel-Dasein führte. Trotzdem bekam man die Scheine auch immer in rauen Mengen als Wechselgeld…

Selfie beim Tuk-Tuk-Fahren durch Siem Reap

Das Hostel Onederz (USP: Rooftop-Pool und grandiose Bewertungen) lag sehr zentral direkt am Night Market in Siem Reap. In meinem bewährten Female Dorm kam ich schnell mit Sandy und Nikki, zwei Schweizer Freundinnen in Kontakt, die gerade in Indien 5 Wochen als Lehrerinnen hospitiert hatten und sehr beeindruckt von dem dort Erlebten waren. Die beiden waren schon ein paar Tage im Onederz und machten mich gleich mit der angeschlossenen Bar sowie dem fröhlichen Barkeeper George bekannt. Hier überzeugte aber vor allem der ausgezeichnete Passionfruit Mojito an den nächsten Abenden! Dabei mag ich sonst gar keinen Mojito. 🙂

Siem Reap war vor allem erstmal eins – unübersichtlich. Jedenfalls verlief ich mich nach der Frühstücksexkursion zunächst sehr gründlich, so gründlich, dass das Argument, man sähe so ja soviel Neues, auch kein Trost mehr war, bei den unzähligen, wirklich nervigen „Hey lady, Tuk-Tuk?“-Fragen. Ja, war vielleicht übertrieben Vorsicht gewesen, das Tablet mit der maps.me-App im Hostel zu lassen.

Etwas erschöpft widmete ich mich nachmittags der Recherche zu Angkor Wat, konnte mich aber wegen akuter Faulheit so direkt zu keiner Entscheidung, wann und wie ich das machen wollte, durchringen. Aber – ach, diese Hostels! – ehe ich mich mich versah, war ich mit Lucas und Hannah aus den Niederlanden für den nächsten Morgen um 04:30 Uhr (…oh mein G…) zur Sonnenaufgangstour verabredet. Die beiden hatten bereits einen Tuk-Tuk-Fahrer am Start und natürlich Interesse, die Kosten durch mehr Köpfe zu teilen. Okay, da bin ich dabei!

…wirklich? fragte ich mich am nächsten Morgen saumüde, als der Wecker unbarmherzig klingelte. Draußen tobte zudem ein heftiges Gewitter. Ratlos sahen wir drei uns an, vor allem, als der Tuk-Tuk-Fahrer per WhatsApp wegen dem Wetter absagte. Nee, jetzt waren wir aufgestanden und vorbereitet, also direkt einen anderen Tuk-Tuk-Fahrer vor dem Hostel rekrutiert und los! Ich entschied mich im Ticketoffice nach einigem Überlegen dann doch für das 3-Tage-Ticket, schließlich war ich ja extra für Angkor Wat hergekommen. Kostenpunkt: 62 Dollar.

Um 5 Uhr morgens bin selbst ich nicht fotogen

Das Wetter klarte langsam wieder auf und wir kamen tatsächlich trocken zum allgemeinen Sonnenaufgang-Viewpoint, wo schon haufenweise Leute sich versammelt hatten und fest de Blick auf die immer heller werdende Silhouette des Haupttempels der Tempelanlage geheftet hatten – nützte aber nichts, die Sonne traute sich trotzdem nicht raus und blieb schüchtern hinter den Wolken verborgen. Schade.

Egal, wir stiefelten trotzdem los – rein in die berühmten Ruinen! Und ich muss sagen … Ich hatte vorab zwar Erwartungen, aber diese namenlose Faszination, die ich beim Betreten dieses ersten Tempels verspürte und die mich während der nächsten zwei Tage nicht wieder losließ, kam trotzdem unerwartet. Unglaublich, dass eine Anlage dieser Größe und Ausgefeiltheit von Menschenhand geschaffen worden war und das vor ca. 1.000 Jahren, mit den damaligen Mitteln. Wenn man mitten drin steht, umgeben von all‘ diesen Mauern, Türmen, Reliefen und Statuen, kann man nur darüber staunen, zu welchen enormen Leistungen der Glaube die Menschen bewegen kann – und mit welcher Macht sich gleichzeitig die Natur das Ganze langsam, aber kontinuierlich wieder zurück erobert. Über 1.000 Tempel und Heiligtümer sind bis heute entdeckt worden.

Ich denke … das rechtfertigt eine kleine Bilderflut! Hier müssen einfach die Bilder das aussagen, was ich in Worten nicht ausdrücken kann.

Die Sonne kam doch noch raus – ich vor dem Haupttempel

Einer der Bakan-Türme von Angkor Wat

Der graue Stein mit warmen Strahlen

Die Apsara-Tänzerinnenreliefs haben mich wirklich fasziniert

Die „Gesichter“ des Bayon-Tempels, der mich am meisten beeindruckt hat

Foto von Hannah Tönissen

Auf dem Weg zum Banteay Kdei Tempel

Licht, Stein und Alter omnipräsent … und wieder feine Reliefs links auf der Säule!

Ta Prom – der Tempel aus dem Lara Croft-Film

Foto von Hannah Tönissen

Foto von Hannah Tönissen

Unser Tour lief so, dass uns der Tuk-Tuk-Fahrer uns jeweils an den vier Tempeln der Small Circuit Tour absetzte, uns sagte, wo er uns wieder aufsammeln würde und wir dann auf eigene Faust durch die jeweilige Anlage liefen. Der zweite der Runde, der Bayon-Tempel, erbaut im späten 12. Jahrhundert und sowohl hinduistischen Götter als auch Buddha geweiht, war mein absoluter Favorit. Das Charakteristische hier – wie man auch auf den Bildern sehen kann – sind die Gesichtertürme, die in alle vier Himmelsrichtungen blicken und so für Schutz sorgen sollen. Aber auch der Ta Prom-Tempel, in dem viele Teile schon stark von Bäumen überwachsen waren, war sehr, sehr beeindruckend. Hier wurde „Lara Croft“ gedreht – und man verstand auch sofort, warum.

Insgesamt waren wir ca. 8 Stunden unterwegs inklusive Hin- und Rückweg (mein Kameraakku hat auch nur so geraaade durchgehalten) und um 11:30 Uhr wieder im Hostel. Lucas war so nett, mir direkt die Fotos, die Hannah mit ihrer Spiegelreflexkamera von mir gemacht hatte, auf meine Speicherkarte zu kopieren und dank der super Aussttatung des Onederz konnte ich die zusammen mit meinen 250 (*hust*) Bildern direkt in mein GoogleDrive sichern. Nachdem die erste Angkor Wat-Euphorie abgeklungen war und ich mir auch ein bisschen was zu futtern reingepfiffen hatte, war erstmal Nickerchen-Zeit … war doch verflixt früh gewesen an diesem Morgen.

Aber danach war Zeit, dem berühmten Angkor Night Market einen Besuch abzustatten. Der wurde seinem Ruf gerecht – aber … ich konnte mich einfach nicht daran gewöhnen, dass ich nicht mal in die Richtung einer Sache schielen konnte, ohne sofort mindestens einen Verkäufer an der Backe zu haben. Selbst an einem Stand vorbeizulaufen zehrte mit seinem konstanten „Hey lady!“ schon an meinen Nerven. Naja, so blieb das ein sehr günstiger Ausflug 🙂 Bei dem wirklich tollen Angebot war das aber auch ein bisschen schade.

Jetzt hatte ich mich für ein 3-Tages-Ticket für Angkor Wat entschieden (und war nach dem ersten Besuch verflixt froh darüber!) – also stand das Programm für den nächsten Tag schon so gut wie fest: Die Grand Circuit Tour. Diesmal setzte ich aber nicht auf Kollege Zufall, sondern buchte die angebotene Tour vom Hostel.

Der Tag endete wiederum in der Hostelbar, mit George, Sandy&Nikki, einer Einführung in kambodschanische Popmusik, viel zu viel Ed Sheeran und leckeren Cocktails 🙂

Ich, Nikki und Sandy aus der Schwiiz

Lesetipp: „Track Hannah“ – der Blog von Hannah, die mit mir Angkor Wat besucht hat. Sehr talentierte Fotografin und spannende Reisebegegnung, denn sie war von den Niederlanden bis Kambodscha OHNE Flugzeug unterwegs und will das bis Australien so durchziehen…

Song der Stunde: Kmeng Khmer – Song Nun Phum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.