Schming und weg

27 Koalas, 2 Echidna und jede Menge Corellas

19. Januar – 20. Januar 2019

Frühstücken am Meer! Das sollte mich mit dem eher mäßigen Cann River Rainforest Campground der Nacht versöhnen, der nur mit rudimentären Waschmöglichkeiten (lies: kaltes Wasser) ausgestattet war. Zusätzlich hörte man die Straße Richtung Süden recht gut und der deutsche Gangster-Rap von den Jungs gegenüber am Morgen gefiel mir auch nicht so wirklich.  Aber er kostete halt nix und roch tatsächlich von oben bis unten nach Eukalyptus.

Also schnell alles eingepackt und ab mit dem Walter zurück zur Picknick Area am Cape Conran, wo wir am Vortag schon gewesen waren. Das Meer konnte man beim eigentlichen Frühstück in der Picknick Area allerdings nur hören, doch drei Meter Fußweg in die richtige Richtung (am Plumpsklo vorbei) und da lag er wieder blau und leuchtend vor uns, der Ozean! Dazu die malerischen Salmon Rocks – hier musste erstmal dem Fotojunkie in mir gehuldigt werden. Ich laufe Gefahr, mich zu wiederholen, aber es war wieder ein strahlender Tag!

Der Strand bei den Salmon Rocks
Die Lachsfelsen mit Schming
Brandung – immer wieder faszinierend
Perfekter Tag!

Nach dem Vergnügen stand auch Frühstück für Walter auf dem Zettel. Ich war immer noch in Fahrlaune, pah, eigentlich immer mehr! und brachte uns in die kleine Stadt Bairnsdale, wo der Sprit bezahlbar war. Wie so oft kam eines zum anderen, nach dem Sprit füllten wir bei Cole’s auch ordentlich Vorräte auf und danach unsere Mägen um die Ecke in einer kleinen, sympathischen Pizzeria namens “Earth & Soul Pizza“. Die Bedienung war wieder direkt aus dem australischen Bilderbuch, schnackte uns fröhlich an und ehe wir uns versahen, bekamen wir wieder jede Tipps für die Gegend, die sich Gippsland nannte. „You could go down to Paynesville and take the ferry to Raymond Island, there are lots of Koalas there just living in the trees.“ Uh! Das klang doch großartig. Thomas und ich waren beide sofort interessiert. Klar hatten wir schon Koalas gesehen, aber eben die kranken in Gehegen im Hospital in Port Macquarie. Die putzigen Fellnasen nochmal in ihrer natürlichen Umgebung erleben zu können, war äußerst verlockend. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich mein Handy rausholte und ernsthaft nach alternativen Rückflugmöglichkeiten guckte. Denn: Vier Wochen reichten deutlich nicht und es machte ganz einfach auch keinen Spaß, sich so beeilen zu müssen.

Mein Beifahrer fotografiert
Das Court House in Bairnsdale
Abends im Boys Scout Camp

Für die Nacht fand ich bei WikiCamps ein Boys Scout Camp am Mount Taylor, einige Kilometer nördlich von Bairnsdale mit der üblichen basic Ausstattung (lies: Plumpsklo, kein fließend Wasser) für lau. Hier hatten wir mal den ungewohnten Luxus, den ganzen, riesigen Platz mitten in einem bergigen Waldgebiet über Nacht ganz für uns zu haben. Niemand da. Nur Walter und wir. Das war schön, aber auch ein bisschen … spooky…. Morgens erschienen einige Sportfreaks, um zu joggen oder die ausgewiesenen Mountainbike-Strecken zu befahren. Wir verweilten aber nicht länger als nötig, sondern fuhren direkt zu einer free shower in der Marina von Paynesville (herrlich!) und frühstückten dann in der picknick Area mit Blick auf die Bucht. Mein Herz ging bei all‘ den Segelbooten natürlich auf. Ein hoffnungsvoller Pelikan kam auch noch angeschwommen und zeigte genug Durchhaltevermögen, dass ihm die lokalen Fischer ihm etwas von ihrem Fang mit abgaben. Einer von ihnen war von unserem Roof Top Tent ganz fasziniert und – bäm – wieder waren wir in ein Gespräch mit einem „local“ verwickelt inklusive hilfreicher Tipps wie „guy ropes“ mit Sprungfedern für die windfeste Befestung unseres Pavillions zu kaufen oder baby wipes (Feuchttücher) für die schnelle Wäsche unterwegs. Haben wir auch umgesetzt!

Die Bucht bei Paynesville – schöner brekky spot
Der Pelikan und ich

Vor dem Koala-Erlebnis nutzten wir die Gelegenheit, unsere Wäsche im lokalen Waschsalon grund zu reinigen. Besonders mein Wäschevorrat war zu sehr geschrumpft. Den Trockner dort wollten wir aber nicht auch noch mit Dolleros füttern, hatte schon 5 $ gekostet sowie den Kaffee zum Überbrücken der Wartezeit, also spannte Thomas einfach quer in mehreren Reihen an der Decke über Walters Rückbank eine lange Schnur (die hatten die Vorbesitzer netterweise zurückgelassen) – fertig war Walter, der Wäschetrockner!

Funktioniert! Wäscheleine im Auto 🙂

Mitkommen zu den Koalas konnte der Walter nämlich nicht bzw. war es nicht nötig. Eine kleine Auto/Fahrrad/Fußgänger-Fähre pendelte in einem steten Rhythmus zwischen Paynesville und Raymond Island hin und her, die wir zu Fuß gratis nutzen konnten und kaum hatten wir die Insel betreten, war auch schon klar, wo wir lang müssten. Kleine, grüne Koala-Graffitis auf dem Boden markierten den Weg. Es dauerte auch gar nicht lange, bis uns andere Koala-Jünger entgegen kamen, jeder mit hilfreichen Tipps. „There’s one over there, in that tree.“ – „In that street you’ll find a mum with a joey, they are a bit high up, but you can see them!“ – „We have seen like 30 koalas now.“ Das allererste Tier, was wir sahen, saß allerdings mitten in einem Vorgarten und wäre beinahe als exotischer Busch durchgegangen: Ein Ameisenigel oder Echidna, ein naher Verwandter des Schnabeltiers. Fälschlicherweise rief man uns „porcupine“ (Stacheltier) zu, dank Facebook und einiger tierkundlicher Freunde habe ich schnell gelernt, dass das wieder eines dieser endemischen Tiere Australiens war.

Genaugenommen der zweite Ameisenigel des Tages (Foto von Thomas)

Aber auch die kuscheligen Baumbewohner ließen nicht lange auf sich warten. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Koalas auf dieser Insel leben und das größtenteils mitten in der Siedlung, die es dort gibt. Ich habe bis zum Ende des Tages 27 Fellnasen gezählt, inklusive zwei Jungtiere, auch Joeys genannt (so heißen die Jungtiere aller Beuteltiere) und wir haben bestimmt noch welche übersehen. Ich bin wirklich mit teils offenstehendem Mund und nach oben gerichteten Blick die Straßen entlang gelaufen – was für ein tolles Erlebnis! Man merkte auch, dass die Koalas das Interesse der Zweibeiner durchaus gewohnt sind. Unsere Anwesenheit und unsere Blicke versetzten sie keineswegs in Unruhe, die meisten blieben in der typischen Ich-chill-mal-ne-Runde-Stellung. Nur die Mütter wirkten leicht alarmiert und behielten uns genau im Blick. Einer war besonders aktiv und kletterte auf den dünnen Ästen herum, auf der Suche nach besonders leckeren Eukalyptusblättern. Da muss man schon aufpassen, weil dann gern auch mal ein bisschen „poo“ und „pee“ vom Himmel fällt … (Alle nachfolgenden Fotos sind von Thomas, der einfach die bessere Kamera dabei hatte)

Koala Island – ick froi’mir!
Immer den grünen Köpfen nach (?)
Ein gerade flügge gewordenes Jungtier – die Mutter wachte noch auf dem Ast daneben
Mutter Koala und kleines „Joey“ … so niedlich!
Typische Energiesparhaltung – man muss ja seine 20 Stunden Schlaf vollbekommen 🙂
Verhältnismäßig wach, der Gute, und hat uns fest im Blick!

Aber es gab eben nicht nur Koalas zu entdecken. Neben den Echidnas, die uns ebenfalls absolut faszinierten (besonders, als der eine anfing, sich einzubuddeln, nach dem Motto „Bin gar nicht da, ihr könnt mich nicht mehr sehen!“ :)) fanden wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen großen Busch, auf dem sich bestimmt dreißig große, weiße Vögel niedergelassen hatten und jede Menge Radau machten. Ich hielt sie erst für Kakadus, also die bekannten Gelbhaubenkakadus, aber wir fanden später (weil sie uns noch sehr viel öfter begegnen sollten) heraus, dass es sich um „little corellas“, auf deutsch Nacktaugenkakadus, handelte, eben ohne gelbe Haube und etwas kleiner. Tatsächlich sah ich nach Raymond Island immer wieder gegen Abend große Schwärme dieser Vögel auf den Feldern sitzen oder wir beobachteten, wie sie sich in einem großen Baum sammelten. War auch nie zu überhören. Sagen wir mal so: Das sind nicht gerade Nachtigallen….

Ein Schwarm corellas auf Raymond Island (Foto von Thomas)
Hallo da oben! (Foto von Thomas)

Randvoll mit unseren Eindrücken von der tierischen Insel ging es mit der Fähre zurück und 150 Kilometer Richtung Westen nach Boolarra, wo es bei einem Community Hotel & Pub ein freundliches „Free Campers welcome“-Schild gab. Wollte man Dusche und Toilette nutzen, kostete das 5 $ pro Tag. Das war doch mal ein Angebot ganz nach unserem Geschmack! Allerdings war der Pub bereits geschlossen, als wir dort ankamen. Hmmh, so ganz ohne Möglichkeit, die Toilette zu nutzen, ging es nun nicht. Was tun? Zum Glück stand da bereits ein Wohnwagen, wir also fröhlich auf die Dame zugegangen, die offenbar dazu gehörte. So haben wir Yvonne & David kennengelernt, die sagenhafte 30 Jahre gemeinsam unterwegs sind. Sie unterrichtet, wo es möglich ist, er ist handwerklich sehr begabt und hat bereits einen Wohnwagen komplett renoviert und mit gutem Gewinn verkaufen können. Supernett, die beiden – und in Besitz eines Schlüssels für die Waschräume, den sie gerne mit uns teilten. So macht Camping doch Spaß!

Der (Voll-) Mond ist aufgegangen …
Dinner mit „Romantik“ :

Song der Stunde: Xavier Rudd – Follow the Sun

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