Schming und weg

Drei von fünf ist noch ein guter Schnitt

Da war ich nun in Pai und stellte fest: Für die meisten Aktivitäten war ganz einfach irgendeine Form von Fahrzeug erforderlich, idealerweise motorisiert. Die enorme Rollerdichte in der Stadt zeigte klar, was die bevorzugte Fortbewegungsmethode der meisten Reisenden war, aber trotz des wachsenden Eindrucks, dass hier wirklich JEDER und JEDE auf so ein Zweirad stieg, blieb ichbei meiner Einstellung, dass das für mich der reine Selbstmord wäre. Halbherzig zog ich den vor Ort angebotenen Rollerunterricht in Betracht, aber da hatte die relaxte Atmosphäre von Pai mich schon zu sehr in ihrem chilliger Griff, ich entspannte an „meinem“ Fluss in der Hängematte und es blieb bei dem Gedanken.

Aber das hieß natürlich nicht, dass ich die Highlights nicht dennoch sehen wollte! Besonders die Lod Cave wurde Davina und mir von anderen Reisenden (die es geschafft hatten, Chiang Mai etwas früher zu verlassen) ans Herz gelegt. Ein Klassiker waren auch die Hot Springs und der Pai Canyon zum Sonnenuntergang – also buchten wir zu dritt (Ella, eine weitere Kanadierin, war mittlerweile eine richtig gute Freundin von Davina) für den Samstag eine Ganztagestour zu diesen drei Sights. Die Tour umfasste neben einem Lunch, Wasser und Früchten auch noch einen Aussichtspunkt und einen der zahlreichen Wasserfälle. Für 500 Baht ein prima Deal – allerdings dachten wir alle, unser Transportmittel wäre ein Minivan, eventuell sogar mit Aircondition.

Falsch gedacht. Mit zwei dieser Mini-Lastwagen, die hinten zwei Sitzreihen im 90 Grad-Winkel zur Fahrtrichtung bieten, zog die recht grosse und sehr internationale Gruppe los. Für „Stahlmagen“ Schming erneut kein Problem, aber nach der typischen Anzahl Kurven und Huckel und 90 Minuten Fahrtzeit bis zur Höhle kam doch das eine oder andere Frühstück wieder zum Vorschein und zahlreiche Fahrgäste litten ganz schön. Leider waren die vier Teilnehmer, die im Fahrerhaus und dahinter sitzen könnten, nicht bereit , mal zu tauschen, damit die „Autokranken“ mal eine Pause bekamen. Im Gegenteil, sie waren immer die Ersten am Fahrzeug, damit sie weiterhin ihre Premiumplätze haben konnten. Das fand nicht nur ich sehr selbstsüchtig.

Aber der Großteil der Gruppe in meinem Van war nett. Ich habe mich lange und ausgiebig mit Steve unterhalten, ein Engländer Ende 50 / Anfang 60, der seinen Job als Finanzjurist frühzeitig an den Nagel gehängt hatte und nun die Freiheit des Reisens genoss. Er selber wohnt in Frankreich, seine Frau in Köln und seine Tochter ist zurzeit in Dachau. Das gab natürlich gleich eine ganze Reihe von Gesprächsthemen. Und wieder einer, der sich bei der Erwähnung von Hamburg als Beatles-Fan outete. So verging die Zeit sehr schnell, und wir – auch ich – waren alle sehr froh, als der Van auf dem Parkplatz der Lod Caves einbog. Unser Fahrer, ein etwas übergewichtiger Thai, scheuchte uns ein wenig, sodass ich mich plötzlich in einer Gruppe mit zwei Holländerinnen wiederfand, da immer drei Leuten ein Höhlenguide zugeteilt wurde – der sehr geschickt seine Petroleumlaterne anzündete, aber kaum ein Wort Englisch verstand, geschweige denn sprach.


War aber auch nicht wirklich nötig. Die Atmosphäre in der enormen Höhle wirkte für sich selbst und ich konnte mich der Faszination von Sekunde 1 nicht entziehen. Allein die Schlange der vielen anderen Dreiergruppe, die sich nur von ihren Laternen beleuchtet durch die schummrig-dunkle Höhle wand, war großartig. Alle Anstrengungen waren vergessen, obwohl uns der kleine Guide ganz schön steile Treppen hinaufjagte, um auf einen Stalgmit zu deuten und das Wort „Monkey“ zu rufen. Da wurde unsere Phantasie ganz schön gefordert und ich schaffte es nicht immer, das Genannte in dem Stein zu erkennen. Ab und an war da auch mal ein Erklärschild auf Englisch, aber eigentlich war mir der geologische Hintergrund des Höhle völlig wumpe – das Erlebnis der Höhle war einfach einzigartig.

Der absolute Höhepunkt war aber das Bamboo Rafting. Auf wackeligen, aber seetüchtigen Bambusflößen ging es über einen unterirdischen See, der Flößer hinter drauf (wieder mal erstaunlich, wie der kleine Asiate uns drei dicke Europäerinnen bewegt bekam!), der Guide leuchtete uns vorne und zeigte uns so auch die Abertausende von Fledermäusen an der Höhlendecke über uns. Was für einen Lärm die machten! Und Dreck … Die Fahrt war nicht sehr lang und eindrucksvoll öffnete sich vor uns die Höhle zum Tageslicht. Da klickten natürlich alle Fotoapparate.


Nach einem ganz guten Lunch ging es direkt wer nächsten Punkt auf der Agenda – dem scenic viewpoint. fand ich nun leider so gar nicht spektakulär. Gut, ich bin deutsch, ich hab dafür bezahlt – also brav die dafür vorgesehene Zeit die Landschaft angestarrt, bis der Ruf zur Weiterfahrt erklang. Vom nächsten Stopp, den nicht so Secret Hot Springs, versprachen wir uns alle mehr und wurden nicht enttäuscht. Die Lage war idyllisch, das Wasser war warm und ich in Stimmung für mein zweites Bad in Thailand – so ganz ohne Ozean. Es war sehr angenehm, mit einem Haufen gutgelaunter Touris in den Hot Springs zu chillen, wenn auch die Fingers ordentlich fix wegschrumpelten. Nö, da bin ich dann doch lieber früher raus als die angesetzte Stunde, habe mich abgerubbelt und noch eine Runde mit Steve geklönt, bevor es weiterging mit der wilden Fahrt. 


Stopp Numero 4 sollte einer der (zahlreich vorhandenen) Wasserfälle um Pai sein, und der Weg dahin führte wiederum über Stock und Stein und Rumpeldipumpel … und lohnte sich so richtig, da das angepriesene Naturschauspiel als klägliches Rinnsaal herausstellte. Ein Teil der Gruppe war bereits auf dem Rückweg nach oben und zeigte uns lachend ihr Handyfoto, woraufhin wir und der Rest der Gruppe geschlossen erst gar nicht den Weg nach unten antraten, sondern unseren Fahrer nachdrücklich um die Weiterfahrt ersuchten. Blieb eben mehr Zeit für das Nächste.
Und das war der Pai Cayon zum Sonnenuntergang. Beim Anblick der sicherlich 200 geparkten Rollern vor Ort war aber klar, dass wir nicht die einzigen kleinen Romantiker waren. Viel mehr als die Massen faszinierte mich aber die Tatsache, dass der Canyon echt an manchen Stellen verflixt schmal geraten war (ich verkniff mir den Überstieg auf einem wirklich nur fußbreiten Stück zum hinteren Teil) und keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. That’s Asia! Vermutlich ist die Zahl der Unfälle deutlich kleiner, als ich es mir in meinem deutschen Horn ausmale… Jedenfalls setzte ich mich nahe der Kante und konnte so den Sonnenuntergang doch relativ ungestört genießen. Und natürlich Fotos machen. Schön war das! Und wie es der Zufall so will, trafen wir auch noch Jesse und Anhang.

Pünktlich um 18:30 Uhr und völlig gerädert trafen wir wieder in Pai ein. Und nach einer sehr notwendigen Dusche und Dinner mit Ella und Davina in meinem Stammlokal Green Restaurant war ich auch echt ready für die Koje. Was für ein erlebnisreicher Tag! Da hätte man glatt zwei draus machen können.

Song der Stunde: TLC – Waterfalls

Ein Kommentar zu “Drei von fünf ist noch ein guter Schnitt

  1. Vigdis

    Was du alles erlebst! Unglaublich. Gut, dass du alles aufschreibst, damit später wenn du im Schaukelstuhl sitzt, du die Reise nochmal machen kannst.

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