Schming und weg

“Mein Gott, Walter“ – Vorbereitungen und Herausforderungen

Die älteren Herren dieser Welt. Was soll ich sagen? Irgendwas ist ja immer, ein Wehwechen hier, ein Ächzen da und jeden Morgen kommt man schwerer aus dem Bett. Das ist bei einem Senior auf vier Rädern nicht anders, mussten wir feststellen, was uns nochmal gewaltig ins Grübeln brachte und das Zeit- und Geldkonto belastete.

Allerdings nicht meins. Da Thomas plant, mit Walter ca. drei Monate durchs Land zu cruisen und am Ende das ganze Paket Walter + Campingkram an die nächsten abenteuerlustigen Australien-Reisenden zu verkaufen, ging alles Autobezogene auf ihn. Da läppert sich ganz schön was zusammen – hoffentlich geht die Rechnung am Ende dann auch auf und er kommt mit plusminus Null aus dem Ganzen raus.

Auf dem Weg nach Riverhills

Inzwischen waren wir bei Nirasha, der Studienkollegin, ausgezogen, nur um festzustellen “Oh, ganz Australien ist noch im Weihnachts- bzw. Neujahrsurlaub!“ – entsprechend voll waren die Campingplätze. Nix zu kriegen. Überrascht waren wir darüber, dass eine Nacht auf einem privat geführten Campingplatz mit Auto, Zelt und zwei Personen ohne Strom gerne mal so 30 bis 40 Australische Dollar kosten sollte (30 AUD sind ca. 19 €)… auf den erreichbaren, mit 6,5 AUD pro Nase deutlich günstigeren Nationalpark-Plätzen gab es einfach nix frei für uns.

No worries, buchte Thomas eben fix über AirBnB ein Zimmer für uns in Riverhills, südwestlich von Brisbane, zum Einen, weil dort ein Treffen einiger Studienkollegen stattfinden sollte, zum anderen waren wir so taktisch klug für Walters Road Worthy Check, der für Umschreibung der Registrierung auf Thomas notwendig war, positioniert. Die Unterkunft (übrigens meine erste AirBnB-Erfahrung überhaupt) war bei Carol, einer sportlichen Dame um die 60, die nach dem Auszug ihrer Kinder zwei Zimmer in ihrem gepflegten Haus vermietete, uns großzügig zum Cereal-Frühstück einlud, aber auch klare Vorstellungen hatte, was die Do’s und Dont’s betraf. Zum Beispiel betonte sie, dass die Duschzeit auf 5 Minuten beschränkt sein sollte, allerdings nicht aus übertriebenem Geiz, sondern weil Wasser in Australien ein rares Gut ist. Das Ganze gefiel mir aber dennoch gut: Vor unserem Zimmerfenster gackerten Carols Hühner, auf der Terrasse ließ es sich hervorragend frühstücken und der riesige Kühlschrank besaß einen Eiswürfel- und Wasserspender. Sehr praktisch. Und die beste Tipps geben eben die Locals: Um die Ecke bekamen wir sehr leckere und für australische Verhältnisse bezahlbare Burger und Pommes, eine breite Auswahl an vegetarischen und veganen Optionen inklusive!

Das zweite Zimmer wurde von Terry bewohnt, eine Amerikanerin aus Oregon, die Dezember und Januar in Riverhills verbrachte, um Zeit mit ihrer dort lebenden Familie zu verbringen. Noch so eine sportliche Dame um die 60.


Noch immer kein Roof Top Tent – Walter vor Carols Haus in Riverhills

Walter konnten wir dann am nächsten Tag für seinen Tauglichkeitstest bequem um die Ecke abgeben und wurden sogar vom Werkstattsazubi zum nächsten Bus gefahren, der uns nach Brisbane reinbrachte. Die Silhouette der Stadt war erstmal kantig und dunkel, dazu ein bedeckter Himmel. Hmmh, nö, überzeugte mich jetzt nicht so… Um zum Treffpunkt für den Lunch mit den Studienkollegen zu kommen, mussten wir an der Southbank runter laufen, wo tourimäßig einiges los war. Neben dem Performing Arts Centre stand ein Riesenrad, das zu Aussichten von oben einlud, es gab einen künstlich angelegten Rainforest-Weg, einen von der Expo 88 stammende nepalesischen Friedenstempel und am Flußufer leuchteten die berühmten Buchstaben der Stadt. Viel Zeit hatten wir nach dem Lunch zwar nicht, der kleine Walter wollte aus dem Bastelparadies abgeholt werden, aber für ein bisschen Gucken und Fotos machen reichte es doch.

Brisbane Skyline
Das Ferris Wheel auf der Southbank
Immerhin die Buchstaben sind bunt!

Der gute Walter riss ein weiteres Loch in den Geldbeutel, denn seine Tauglichkeitsurkunde war nicht ganz billig (aber eben unumgänglich). Zusätzlich war auch noch Öl gewechselt, Bremsflüssigkeit aufgefüllt und der Scheibenwischer repariert worden. Wir hatten wirklich gehofft, aus unserem Walter auch noch einen richtig “coolen Typen“ machen zu können (lies: Air Condition zu haben), aber da war nix zu machen: Es fehlte nicht nur die Flüssigkeit, Nein, der ganze Kompressor war Schrott und eine Reparatur extrem teuer. Mönsch, Walter…. Immerhin fuhr er sich nun dank der optimierten Bremsen viel besser.

Apropos. Der eine oder andere Leser wird sich fragen “Fährt denn die Schming auch mal den Walter?“ Tja. Eine vorsichtige Annäherung an das Thema hatte in Form von Wendemanövern in einer ruhigen Straße schon stattgefunden und die Tatsache, dass der Walter ein Automatik war, stimmte mich schon optimistisch, aber so richtig im Verkehr und so … mit Linksverkehr und so… wo ich sicher zehn Jahre nicht mehr … das musste mit einer gehörigen Portion Mut wohl noch kommen. Somit war Thomas erstmal mein designierter Chauffeur.

Nach einer weiteren Nacht bei Carol und einer flotten Gemüsepfanne in ihrer Küche adoptierte Thomas den Walter am nächsten Morgen endgültig und ganz offiziell durch das Umschreiben des Registrierung auf seinen Namen und wir machten uns auf den Weg nach Norden – Bribie Island hatte ich aus dem Reiseführer als erstes “echtes“ Ziel auserkoren (dort gab es Platz auf dem Campingplatz am Poverty Creek). Um dort hin zu fahren, war zwar zusätzlich eine Vehicle permit (für 50 AUD) notwendig, aber die Aussicht, mal so richtig Walters Geländegängigkeit auszuprobieren auf der Sandpisten-Zufahrtstraße brachte Thomas’ Augen schon zum Leuchten – also, no worries, let’s do it!


Ganz schön doll kaputt, der spare tyre

Was will man kurz vor einer Anfahrt über Sandpiste (und soeben via Gumtree bei einem unglaublichen netten und redseligen Australier namens Russ erworbenen Recovery Tracks zum “wieder rauskrabbeln“ aus dem Sand) nicht feststellen? Dass das Reserverad, das unauffällig unter dem Auto aufgehängt ist, Schrott ist. Oh toll. Gerade hatten wir zwei Themen gelöst bekommen, präsentiert uns unser alter Herr das nächste… und einen 4WD ohne Reserverad durch Australien zu fahren, ist vielleicht möglich, aber äußerst leichtsinnig. Auf die Schnelle (=nachfragen bei diversen Schrotthändlern und Autohökern) gab es keine Lösung, also mussten wir mit diesem Quentschen Ungewissheit nach Bribie Island. Uijuijui.

Next up: Abenteuer! (versprochen)

Ein Kommentar zu ““Mein Gott, Walter“ – Vorbereitungen und Herausforderungen

  1. Mutti

    Super dein Bericht, Kristin.
    Hoffe, dass ihr inzwischen ein Reserverad für Walter gefunden habt.
    Sichere Fahrt und viele Grüße aus dem regnerischen Norden.

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