Schming und weg

Sailing … takes me away (Juli 2015)

„Das scheint nicht die Hundewache, das scheint heute die Dreckswache zu sein!“ grinst Oli mich an, als ich das Ruder von ihm übernehme. Es ist kurz vor halb drei Uhr morgens, irgendwo zwischen Mallorca und Sardinien auf dem Mittelmeer. Die Sun Odyssey 439 mit dem schönen Namen CARLILA bewegt sich nur sehr langsam vorwärts, deswegen Olis Kommentar. „Na, noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.“ rufe ich ihm auf seinem Weg in die Koje nach. Gesprochen wird aber tatsächlich nicht mehr viel in den kommenden Stunden. Weder mein Wachpartner Hubert noch ich wollen diese unbeschreibliche Stimmung mit Worten stören, die nachts auf See herrscht. Das Boot rauscht – mit kontinuierlich zunehmender Geschwindigkeit, lieber Oli – durch die Wellen dahin, um uns herum ist nur dunkle Leere und über uns spannt sich der unglaublichste Sternenhimmel, den ich je gesehen habe. Es ist genug, um uns sprachlos zu machen.

Ich bin auf diesem Törn zum ersten Mal in meiner (noch recht kurzen) Seglerlaufbahn nachts auf dem Meer unterwegs und diese Option war auch einer der Gründe, weshalb ich ohne zu zögern die Überführung von Mallorca über Sardinien nach Sizilien gebucht habe, als mir Guido, unser Skipper, davon im November 2014 erzählt hat. Irgendwie wollte ich das gern erleben, irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass das etwas Besonderes sein musste, irgendwie schien mir diese Erfahrung auf dem Weg zu einer guten Seglerin noch zu fehlen. Trotzdem überwältigt mich auch in der dritten Nacht in Folge das Erlebnis erneut und es lassen sich auch jetzt noch keine Worte dafür finden, die dem gerecht werden. Außer: Ich will es wieder erleben, definitiv.

Dabei hat unser Törn denkbar schlecht begonnen. Bei meiner Ankunft an Bord in Palma de Mallorca liegt der Skipper unter Deck in einer Koje und bemüht sich, die defekte Ruderanlage irgendwie wieder zu flicken. Da bleibt er dann auch die nächsten beiden Tage – klar, am Wochenende ist es unmöglich, einen Techniker für die Reparatur an den Start zu bekommen. Aber Montag morgen geht es endlich aufwärts, als zwei Techniker Guido ablösen. Nach ihrem heldenhaften Einsatz können wir tatsächlich gegen 21 Uhr ablegen und so eine weitere Nacht im Real Club Nautico de Palma umgehen (148 EUR Liegegebühr eingespart). Der Blick zurück auf das abendliche Palma macht mich zum ersten – aber garantiert nicht zum letzten! – Mal auf diesem Törn sprachlos. Der folgende Sternenhimmel, die zahlreichen Sternschnuppen, die erste Nachtfahrt – wir kommen aus den Highlights gar nicht mehr raus!

Sobald wir auf See sind, ist die vom vielen Warten doch leicht angespannte Stimmung gleich viel, viel besser, obwohl wir uns eigentlich alle von Anfang an gut verstanden haben. Neben Guido, den ich ja schon kannte, waren noch Oli aus München, Daniela aus der Schweiz und Hubert aus der Nähe von Freiburg dabei. Besonders mit Hubert, unserem Segelgreenhorn, verband mich schnell eine wirklich besondere Beziehung. Ähnlicher Humor, ähnliche Emotionen, ähnliche Begeisterung – „Wir sind ja schon wie’n altes Ehepaar.“ stellen wir spätestens auf Sardinien fest. Umso mehr freut es mich, dass er spontan die zweite Woche dran hängt und mir zusammen mit Daniela auch auf dem Weg von Sardinien nach Sizilien erhalten bleibt. Man kann sagen, das hat ihn gepackt, das mit dem Segeln…

Die erste Woche ist sehr entspannt und harmonisch, trotz der Tatsache, dass unser verspäteter Start uns ein wenig unter Zeitdruck gebracht hat. Daniela und Oli sorgen für unglaubliche kulinarische Highlights (Ofenbrote mit Ziegenkäse und Feige … Crêpes zum Frühstück… ), wir haben sehr schnell eine schöne „Sundowner“-Tradition etabliert, trotz Zeitplan ist Zeit für ausgiebige Badepausen (inklusive Sprungwettbewerbe), einmal sogar mitten auf dem Mittelmeer auf 1600m Wassertiefe –  und generell haben wir gute Stimmung, guten Wind, gutes Wetter …
Am Dienstag, Mallorca ist hinter uns noch gut zu erkennen – bin ich es, die drei Mal das ersehnte „Delfine!“ rufen kann (Zitat Oli: „Das kann jetzt kein Zufall mehr sein, dass du sie immer zuerst siehst.“), auch wenn die Meeresbewohner uns eher aus der Ferne zuwinken.

Der Donnerstag beginnt mit der eingangs beschriebenen Hundewache, in der wir ins Morgengrauen und in den folgenden Sonnenaufgang hineinsegeln. Kurs Ost! Der Wind nimmt zu, während der Tag um uns herum erwacht. Ich stehe am Steuer und bin ordentlich am Kurbeln, um das Boot gegen Wind und Seegang auf Kurs zu halten – und habe dabei unglaublich Spaß! Den ganzen Tag bleiben uns Wind und Welle erhalten, was auf Dauer durchaus anstrengend wird. Aber wir schlagen uns tapfer, Schwerwetterspezialist Oli zaubert was zu Essen (Zitat „Ich koche erst ab Windstärke 4.“), Cola und Zitrone-Ingwer-Tee halten uns fit und das Anschneiden der seitlich einlaufenden Wellen klappt immer besser. Den ganzen Tag über sehen wir genau ein anderes Schiff, einen Frachter, der auf halber Strecke unseren Kurs kreuzt.

Irgendwann steht dann die Ansteuerung unseres ersten Hafens an der Westküste Sardiniens an – Portoscuso. Im Dunkeln. Der Skipper konsultiert den Plotter und die Seekarte: „Da müsste ein weißes Leuchtfeuer sein.“ Ich schaue nach vorne und denke „Das ist doch eine verdammte Kirmes da draußen…..“ Gefühlt 2.000 Lichter liegen vor uns – wie zum Geier sollen wir da ein einzelnes weißes Leuchtfeuer finden.
Das ist ebenfalls für mich eine ganz neue Erfahrung: Nachts verändern Abstände, Winkel und Größenverhältnisse sich komplett. Aus erster Hand erlebe ich das, als plötzlich die Gefahrentonne, unser nächster Orientierungspunkt auf den Weg in den Hafen, erschreckend nah neben uns aus dem Dunkeln auftaucht. Gegen halb zwei Uhr nachts winkt uns ein Marinero mit Taschenlampe an einen freien Platz am Steg, wir können längsseits gehen, prima, keiner hat Lust, im Dunkeln die Mooringleine zu verholen. Abgesehen vom noch völlig adrenalingepushten Skipper sind alle total erledigt, aber wir nehmen ihm zuliebe trotz der späten Stunde noch den traditionellen Anleger, bevor wir in die Kojen fallen. Sardinien, wir haben es geschafft! Benvenuto, bella Italia!
(Die exzessive nächtliche Lichterflut klärt sich bei Tageslicht – neben der Hafenbefeuerung und der ansässigen Industrieanlagen hatten wir ca. 40 Windräder vor uns gehabt. Jedes mit einem eigenen Licht…)

Nach einem wohlverdienten Hafentag mit Cappuccino und entspanntem Spaziergang legen wir gegen 18 Uhr ab mit Kurs Cagliari. So vermeiden wir, diesen großen Hafen ebenfalls bei Nacht ansteuern zu müssen und kommen in Genuss einer weiteren unserer geliebten Nachtfahrten. Irgendwie klappt es bei mir diesmal mit dem Schlafen nicht so gut – erst überziehen Oli und ich unsere Wache etwas planlos um 1 Stunde und dann lockt der nächste Sonnenaufgang auf See, sodass ich gerade 1 1/2 Stunden in der Koje bin. Aber natürlich lohnt sich das Aufstehen erneut und der morgendliche Tagesbeginn raubt mir jedes Wort und jeden Gedanken an Schlaf.

Je näher Cagliari rückt, desto mehr Wehmut macht sich auch breit. Olis Reise endet dort, er verlässt uns und besteigt den Flieger in Richtung München. Dafür kommen drei neue Mitsegler an Bord und es wird definitiv enger werden. Aber erstmal läuft unsere „Abschiedsshow“ für Oli … jedenfalls versuchen wir ihm das Auftauchen einer größeren Gruppe Delfine (Ich „Da ist ein Fisch!“) direkt vor Cagliari als solche zu verkaufen! Egal, so oder so tolles Schauspiel – so nah haben wir sie bis jetzt noch nicht gehabt. Sogar der Wind gibt sich für Oli nochmal richtig Mühe und frischt auf, sodass wir schön bis vor die Hafeneinfahrt reinkreuzen können. Ich darf am Steuer stehen, breites Grinsen inklusive, und drehe auch im Hafenbecken noch gut gelaunt und Herbert-Grönemeyer-singend einige Ehrenrunden, bis der Skipper endlich nachvollziehbare Anweisungen hat, wo wir uns denn hinlegen dürfen.

Fazit der ersten Woche: ca. 350 Seemeilen im Kielwasser gelassen, 4x Delfine gesichtet, drei Regentropfen abbekommen, Leuchttürme können auch auf dem nächsten Kap stehen, Wäsche waschen in der Pütz funktioniert wunderbar („Hubis Waschsalon“), die Erfindung der „geistigen Seekrankheit“ und die Erkenntnis, dass Nonstop-Segeln total mein Ding ist. Nachtfahrten sowieso.

Oli mustert ab, aber nicht ohne seinen gefühlt halben Hausstand (u.a. Knicklichter, Gaffertape, Segelhandschuhe) an Bord zu lassen, ganz klar unser Mann mit der perfekten Ausrüstung. Oft gehört „Ich hab‘ da doch was….“ Unsere drei Neuzugänge sind der Schweizer Harry sowie Hans und Till (Vater und Sohn) und haben in der Hitze Cagliaris ganz schön lange auf uns warten müssen. Ich räume in Rekordtempo meine komfortable Steuerbord-Achterkajüte für das Vater-Sohn-Gespann und ziehe mit Sack und Pack zu Daniela nach vorne. Besonders glücklich sind wir darüber zwar beide nicht, aber …hilft ja nichts. Wir sind jetzt zu siebt.

Alles auf Anfang. Inventur gemacht, Einkaufsliste geschrieben und mit Hubert und Hans los zum Vorräte bunkern. Zum Glück liefert der Supermarkt an den Steg, nach 3 Stunden kräftezehrender Entscheidungen (Der oder lieber der Kaffee?) und mit wenig Schlaf und Essen im Körper hätte ich selber auch nichts mehr stemmen können.

Die zweite Hälfte des Törns beginnt mit bestem Wetter und einer ordentlichen Mütze Wind – an die 6 Bft. tragen uns rasant die Küste hinunter und die seitliche Welle bringt die CARLILA ganz schön ins Schaukeln. Für die Neuankömmlingen trotz des eingebundenen Reffs vielleicht ein bisschen zu viel des Guten? Nach der Badepause in der geschützten Ankerbucht muss der arme Harry erstmal die Fische füttern. Unser heutiges Ziel ist Villasimius, an der äußersten Südspitze von Sardinien gelegen und die letzte Landberührung vor Sizilien. Dank des guten Winds laufen wir trotz späten Aufbruchs und Badepause schon gegen 18 Uhr in den Hafen ein, wo einige Marineros in Schlauchbooten sozusagen als „lebende“ Fender beim Anlegen fungieren. Zum ersten und einzigen Mal auf dem gesamten Törn essen wir im Salon – der wirklich frische Wind macht den Aufenthalt im Cockpit sogar im Hafen einfach ungemütlich.

Montag Vormittag heißt es dann „Leinen los und Kurs auf Sizilien!“ – bei wieder sehr frischem Wind. Ich traue meinen Augen kaum, als ich am Steuer stehe und die Logge auf den absoluten Höchstwert von 8,4 kn Geschwindigkeit klettert! Wahnsinn! Es wird der Törn-Rekord, aber völlig verständlich, warum wir danach nicht 1, nicht 2, sondern gleich 3 Reffs ins Großsegel binden. Im Golfo di Carbonara gehen wir dann auf den endgültigen Kurs für die nächsten 1 1/2 Tage, auf Vorwindkurs Kurs Ost. Der gefällt dem armen Harry leider auch nicht besser, sein Abendessen landet wieder bei den Fischen.

Der Kurs wird mit der Zeit tatsächlich ein wenig eintönig, aber der Skipper passt auf. „Kristin, wir wollten eigentlich nicht nach Afrika.“ Ja, schon, aber das ist doch 1) tatsächlich näher und 2) der schnellere Kurs! 🙂 Abwechslung bietet spontanes, gemeinsames Singen im Cockpit, begleitet von Harrys Mundharmonika (der sich zum Glück schnell wieder erholt hat) und die Nachtfahrt, die sich aufgrund des teils schwierig zu steuernden Kurses und des leicht drehenden Windes für mich zu einer der anstrengendsten überhaupt wird. Da hilft es auch nicht, dass sich die Last der Wache nun auf mehreren Schultern verteilt. Guido ist auch die halbe Nacht an Deck und ganz froh, dass ich ihn im Morgengrauen nochmal ablöse. Selbst der Sternenhimmel kann da nichts mehr retten – dank des zunehmenden Mondes (am Ende der Woche wird Vollmond sein) sieht man die Sterne erst gegen 4 Uhr morgens wieder so richtig.

Weiteres Highlight auf dem Weg nach Sizilien: Der von Till geäußerte Ruf „Meeresschildkröten!“ …unerwartet! Und konnte ich erstmal nicht glauben, bis dann ein zweites Paar der Wasserturtles direkt an unserem Boot vorbeischwammen. Wahnsinn! Mit Delphinen und fliegenden Fischen hatte ich ja gerechnet, aber Meeresschildkröten?

Sizilien ist zunächst mal eine außerordentlich stationäre Wolke, die – wie wir beim Näherkommen erkennen – sehr signifikant über einer der vorgelagerten Inseln hängt. „Auch immer wieder schön zu sehen, dass diese Karten auch wirklich stimmen.“ ist Guidos trockener Kommentar auf unser freudiges „Land in Sicht!“ Unseren Zielhafen, Favignana, müssen wir wiederum im Dunkeln ansteuern. Unser Tiefgang von stattlichen 2,20m sowie der schlecht einsehbare Hafen sorgen dafür, dass der Skipper erstmal die Parole „Klar bei Anker“ ausgibt und zum Erkunden der Lage zusammen mit Harry im Dinghy lostuckert. Stressige Situation für alle. Entlädt sich bei Hans und mir in der Frage, wer nun den Anker aufholt (Skipper schickt bewusst mich, weil ich es schon mal gemacht habe). Letztendlich liegen wir aber – trotz beängstigender Tiefenanzeigen auf dem Weg rein – sicher und fest in der Box. Viel geht nach dem langen Tag (und der vorangegangenen kurzen Nacht) bei uns allen nicht mehr… das „Welcome, Sicilia“ fällt eher leise aus.

Am nächsten Morgen mustern Hans und Till ab, im Guten, aber es hat trotzdem für uns einen schalen Beigeschmack. Irgendwie hat es nicht gepasst und ich finde es konsequent, dass sie diesen Schritt machen – und bin insgeheim doch ganz froh, dass wir wieder zu fünft sind. Nach einigen Besorgungen und einer Kaffeepause in dem unglaublich schönen Favignana und einer Badepause in der nächsten Bucht geht es direkt weiter, Richtung sizilianisches Festland. Zum ersten Mal auf diesem Törn sitze ich länger auf dem Vorschiff, genieße einfach nur die Fahrt und höre dabei auf meinem Handy Musik von Keane, Of Monsters and Men oder Florence + the Machine. Wahnsinnig gut!
In Trapani ankern wir im beginnenden Sonnenuntergang an der Hafenmole – Guido fährt am nächsten Morgen extra einmal an Land, um nach eventuellen Kosten zu fragen, aber das mehr der Höflichkeit wegen… Am Donnerstag ist tatsächlich noch Zeit für Landgang in San Vito lo Capo. Harry bleibt an Bord, wir anderen tuckern mit dem Dinghy rüber in den kleinen Hafen – bei unfassbaren Temperaturen… „Klar bei Eisbecher!“ ist die logische Parole. Danach besorge ich noch eine Flasche Sekt für die anstehenden Ereignisse (Vollmond und so) 😉 und wir sehen zu, dass wir wieder aufs Boot zurück kommen. Heiß, dieses Sizilien!

Ich habe mich ums direkte Kochen bisher immer geschickt herumgedrückt (und meine Kräfte anderweitig eingesetzt), auch aus Sorge, es könnte den anderen nicht schmecken. Bin ja nicht sooo kochaffin. Heute lässt sich aber nicht mehr vermeiden, da die anderen keine Lust und eben auch ihre Schuldigkeit mehr als getan haben. Also ran an den Kochtopf, irgendwie schmeckt auf See doch alles! Hubert hilft mir – eine mediterrane Gemüsepfanne wird gezaubert und das, während wir mit gut 4,5 Knoten und leichter Schräglage unterwegs sind. Das erste Mal, dass ich während des Segelns am kardanisch aufgehängten Herd koche. Die hungrigen Mitsegler danken es mit „Mmmhs“ und „Kann ich bitte noch einen Nachschlag haben?“ Ohne uns groß darüber verständigen zu müssen, segeln wir in den Abend und in die Nacht hinein, an der sizilianischen Küste entlang und unter dem aufgehenden Vollmond. Es ist eine magische Stimmung. Gegen 23 Uhr kommt sogar wieder etwas Wind auf und ich darf am Steuer stehend in den nächsten Tag hineinsegeln – meinen Geburtstag. Und dieser Beginn in das neue Lebensjahr macht mich erneut vollkommen sprachlos, während die Mitsegler mit dem Skipper als Leadsänger auch noch ein Ständchen bringen, wir den Sekt köpfen und ich meine Lieblingsmusik über die Anlage schicken darf. „Mensch, Kristin, wir haben ja gerade den 38. Breitengrad überschritten und du bist 38 – das muss doch ein gutes Omen sein!“ freut sich Hubert. Das ist tatsächlich noch das Sahnehäubchen zu diesem sowieso schon über alle Maßen besonderen Geburtstag.

Pünktlich um 1 Uhr morgens lässt der Wind aber auch schon wieder nach, sodass ein Durchsegeln keinen Sinn macht. Also ab in den nächsten Hafen – das wird dann Isola delle Femmine, nachts um 3 Uhr … Der freundliche, ältere, italienische Hafenmeister ist aber noch wach und freut sich, als Guido und ich ihn vor seinem Wohnwagen besuchen. Natürlich spricht er kein Wort Englisch, sodass wir uns mit Händen, Füßen und kleinen Zeichnungen verständlichen machen müssen, was sehr unterhaltsam ist, besonders, als Guido noch versucht, wegen meinem Geburtstag einen Rabatt auszuhandeln. Hat merkwürdigerweise nicht geklappt. 🙂 Aber dafür müssen wir aufgrund der späten Ankunft und versprochenen frühen Abreise nur eine halbe Nacht Liegegebühr bezahlen. Nach mehreren Tagen ohne Zugang zu Sanitäranlagen ist die kostenlose Dusche am nächsten Morgen auch hoch im Kurs – selten habe ich eine Dusche sooo genossen….

Man kann es drehen und wenden, wie man will – der letzte Tag des Törns ist angebrochen, wo nur noch eine Sache auf dem Zettel steht: Ankunft in Palermo, und zwar möglichst so, dass Skippy seinen Flieger schafft. Weit ist es nicht mehr. Wir schaffen trotzdem noch ein kurzes Bad in einer der zahlreichen Ankerbuchten, bevor wir in den großen Hafen einlaufen und die große Hektik ausbricht: Packen, Abreisen organisieren, putzen, … und schneller, viel schneller als ich es erwartet habe, sitze ich ganz allein an Deck der CARLILA und muss den (sehr, sehr heißen) Fußmarsch zum Bahnhof antreten.

Fazit: 614 Seemeilen! Was für ein wunderbarer Törn! Was für wunderbare Erlebnisse! …Worte werden dem nicht gerecht.

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Hier meine ultimative Segelplaylist, bewährt an Bord und auch als Begleitung für diesen Post sehr geeignet:

Ein Kommentar zu “Sailing … takes me away (Juli 2015)

  1. yours segelgreenhorn hubert

    Mööönsch Kristin, schön, Deinen Bericht (saggemool: wolltest Du nicht Reiseschriftstellerin werden ? Da gibt’s doch auch Pullitzers für, oder ?)
    eeendlich zu lesen – als ob ich es life mitereleben würde :-)))
    what a wonderful törn war das ! really! full of miracles. (nur das Fernglas, wie war das? wollten wir das nicht den Haien runterschmeißen?)

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