Schming und weg

Letzter Stop: Bangkok oder Der zweite Versuch

Tja, Bühne frei für die letzte Station meiner Reise – so ganz begriffen hatte ich diese Tatsache aber noch nicht, als ich im Bus nach Bangkok saß, sondern haderte eher ein wenig mit dem Umstand, dass ich nicht noch 1 Tag länger auf Koh Chang geblieben war, wegen der netten Mädels und wegen der verpassten Schnorcheltour. Aber irgendwie war die Entscheidung gefallen, vielleicht einen Tick zu früh, aber hey, no regrets…

Jetzt war ich unheimlich gespannt auf mein zweites Mal in Bangkok, denn …hmmh… hat mir als allererste Asien-Erfahrung Anfang Januar ja doch ein bisschen Respekt eingeflößt, diese große, graue, stinkige, laute Stadt! Aber mittlerweile lagen ja fast 3 Monate Asien-Erfahrung hinter mir! Slowboat, Night Market, Rollerfahrten, und und und…   Tschakka, da schockt mich doch nix mehr.

Vor der Großstadt hatte der liebe Gott aber die Anfahrt gesetzt, die in diesem Fall aus einem Minibus-Pickup vom Hostel zur Fähre, der Fährfahrt und einer mehrstündigen Fahrt in einem für thailändische Verhältnisse sehr komfortablen Reisebus bestand. Kurz gesagt war es wohl eine der angenehmsten Reisen überhaupt in meiner Zeit in Südostasien, inklusive nettem Sitznachbar. Der Bus kam irgendwann gegen 19 Uhr in der Nähe der berühmt-berüchtigten Khao San Road an und gleich um die Ecke lag auch das Hostel, das ich mir vor allem wegen des günstigen Preises und der bequemen Lage ausgesucht hatte.

Das erwies sich leider als schlechter Abschluss meiner Reise: Das ziemlich neue Hits Hostel war eine halbe Baustelle, diverse Duschen und Klos funktionierten nicht, in die Zimmer waren mehr Etagenbetten reingequetscht worden als gut war und frühstücken musste man irgendwo eng auf eng zwischen Lobby und Küche. In der ersten Nacht bekamen meine Zimmergenossinnen und ich das mit der Klimaanlage nicht richtig hin, sodass ich kaum schlafen konnte.

Eine der zahlreichen Touristenstraßen nahe Khao San

Die fotogensten Granatäpfel, die ich je gesehen habe

Diesmal war ich aber wild entschlossen, auch ein paar Sightseeing-Punkte in Bangkok mitzunehmen, trotz des Regens, mit dem mich die Stadt am nächsten Morgen begrüßte. Egal, auf zum Bootssteg, jetzt gibt es Bangkok vom Wasser aus (…wenn es schon von oben kommt….). Dank maps.me fand ich mich tatsächlich ganz gut zurecht, kaufte ein Hop On/Hop Off-Ticket und fuhr erstmal eine ganze Weile mit dem überdachten Touriboot den Chao Phraya auf und ab. Praktischerweise liegen zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Grand Palace, China Town, der Wat Pho Tempel und der Wat Arun (Tempel der Morgenröte) direkt an diesem Fluss. An letzerem bin ich dann auch mal ausgestiegen und herumgelaufen. Die 50 Baht für den Tempel habe ich mir mal gespart, aber auch so gab es genug Gartenarchitektur, Türme / Türmchen und „Goldjungs“ (lies: Buddhas) zu sehen.

Lebensschlagader Chao Phraya

Der Grand Palace – DIE Sehenswürdigkeit in Bangkok. Mir zu teuer 😉

Ein Tempel in der Anlage vom Wat Arun

Es macht mir ja auch Spaß, einfach nur Leute zu beobachten, wie zwei Männer (deutlich keine Thais), die sich in traditionellen Kostümen inklusive Schwerter gegenseitig vor dem Wat Arun fotografierten und dabei sichtlichen ihren Spaß hatten. Nach einigen weiteren Runden An- und Von-Bord-Hüpfen konsultierte ich meinen Reiseführer und beschloss, mir den berühmten liegenden Buddha in der Tempelanlage Wat Pho anzusehen – trotz der 100 Baht Eintritt in die Anlage. Gott sei Dank hatte ich meinen Sarong im Gepäck und konnte meine bloßen Schultern bedecken. Den meisten Touris schien das zwar völlig wumpe zu sein, aber ich finde, das gehört genau wie das Schuhe ausziehen, dazu und ist ein Zeichen von Respekt. Selbst, wenn die Farbe des Sarongs und die des Tops so gar nicht zusammenpassen. Jawoll!

Goldjungs Goldjungs Goldjungs

Wer kann böser gucken?

Was macht der Schwarze da zwischen den ganzen Goldenen?

Die Menschenmengen in der Anlage selbst – die ebenfalls sehr schön und sehr sehenswert ist – hielten sich an diesem Montag nachmittag Ende März in Grenzen, sodass ich ganz gut die vielen Statuen, die reich verzierten Gebäude, Brunnen, die kleinen Gärten und natürlich die zahlreichen Buddhas drinnen und draußen genießen konnte. In einem der Tempel bekam ein älteres Ehepaar von einer netten Thai eine Privatführung auf englisch, bei der ich mich unauffällig in die Nähe setzte und die Öhrchen spitzte (es ging um die Prinzipien des Buddhismus).

Aber irgendwann hatte ich dann doch alles gesehen außer, ja außer der eigentlichen Hauptattraktion hier. Der liegende Buddha. Und je näher ich dem Burschen kam, desto dichter wurde plötzlich auch wieder das Gedränge. Tja, offenbar stand der bei vielen auf’m Zettel. Sieht man auch nicht alle Tage, so einen 46m langen, 15m hohen, faulen Goldjungen. Tatsächlich musste man an einem bestimmten Punkt in diesem Gebäude für ein Foto tatsächlich anstehen… das war wieder der Zeitpunkt, wo die Alleinreisende jemand Fremden bitten musste.

Der „faule Sack“ und ich 🙂 Leider etwas unscharf

Ich tippe mal auf Schuhgröße 153…

Aber zugegebenermaßen ist dieser Buddha wirklich sehr, sehr beeindruckend! Besonders die Perlmutt-Einlegearbeiten an den Füßen haben mich fasziniert und nicht zuletzt die Größe selbiger! Wenn das nicht „auf großem Fuß leben“ ist, dann weiß ich auch nicht 🙂

Nach so viel Kultur lief ich abends gemütlich die Khao San Road auf und ab, gönnte mir einen leckeren Fruchtshake und ein viel zu westliches Abendessen bei Burger King und genoss das lebhafte Treiben in vollen Zügen. Hatte ich vor meinem Flug nach Südostasien noch irgendwie „Angst“ vor dieser Straße gehabt? Jetzt war es einfach nur noch bunt, abwechslungsreich und interessant – sooo viel zu gucken, auch wenn ich tatsächlich von Dingen wie Skorpionen am Spieß etc. lieber Abstand nahm. Dafür fand ich einige klassische Thailand-Andenken wie T-Shirts, Thaihosen und Pashimas für die Lieben daheim.

Schneller als erwartet war auch schon der allerallerletzte Tag in Südostasien für mich angebrochen. Abends ging mein Flug mit Austrian Airlines über Wien zurück nach Hamburg. Geplant hatte ich ganz klassisch Shopping, um für mich selbst, aber auch für ein paar liebe Menschen zu Hause Andenken zu kaufen, die noch auf meinem Zettel fehlten. Also stürzte ich mich in mein letztes Abenteuer in Thailand – Busfahren in Bangkok. Die akribische Internetrecherche hatte mir genaue Infos geliefert, wo ich mich hinstellen musste, um den Bus zum MBK Center, eines der größten und bekanntesten Shopping Center in BKK, zu erwischen. Nicht klar war mir, als ich dann endlich im richtigen Bus stand, wie man denn ein Ticket lösen konnte. Also fragte ich die uniformierte Dame, die im Bus stand. War das eine Schaffnerin? „Can I buy a ticket with you?“ Anstatt mir zu antworten, wies sie nur ungeduldig auf einen freien Platz, ich solle mich doch bitte hinsetzen und sie nicht länger behelligen. Okay… Kostenlose Busfahrt also!

Fahrt mit dem Local Bus in Bangkok – ohne zu bezahlen…

Gefunden! Ich mit dem Maskottchen des MBK Centers

Natürlich war ich die ganze Fahrt über schwer damit beschäftigt, die Route auf maps.me zu verfolgen, um sicherzugehen, dass ich nicht irgendwo im Nirgendwo landete. Nein, die moderne Technik ließ mich nicht im Stich – ich kam problemlos zum MBK Center und stöberte mich einmal durch die vielen Etagen, ohne allzu viel Erfolg beim Shoppen zu haben. Dafür war das Einkaufszentrum an sich aber extrem sehenswert, allein der FoodCourt ließ mir die Augen übergehen… verflixt, wieso hatte ich nicht mehr von diesen exotischen, bunten, glibberigen Dingen probiert in meiner Zeit in Thailand? Und eine ganze Etage widmete sich komplett dem Entertainment; neben einem riesigen Kino gab es dort auch diverse Videospielläden, wo die Kids auf bunten Matten Tanzperformances ablieferten, virtuelle Fahrzeuge lenkten, Musikinstrumente spielten etc. Im hinteren Bereich gab es auch die klassischen Karaoke-Boxen, die man mieten konnte.

Das Charlie-Brown-Café im MBK Center – sehr niedlich!

Mein allerletzter Fruitshake: Mango-Passionsfrucht. War oberlecker!

Früher als gedacht stellte ich mich wieder an die Bushaltestelle, um zurück zum Hostel / zur Khao San Road zu fahren. Dabei beobachtete ich ein europäisches Pärchen, das hinsichtlich Bustickets die gleiche Verwirrung zeigte, wie ich noch am Morgen. Diesmal stieg ich schon ganz selbstverständlich fahrkartenfrei in den Bus und kam mir schon fast wie ein Profi vor. Der recht betröppelt guckte, als der blöde Bus an einer Haltestelle hielt und plötzlich alle Fahrgäste ausstiegen. Öhm? Was war los? Ist der Busgesellschaft wegen der ganzen Freifahrten das Geld ausgegangen? Ein kurzer Check auf der Karte zeigte, dass es zwar ein Stück zu laufen war, aber ich beschloß einfach, zu Fuß weiterzugehen. So sehe ich noch was von Bangkok, dachte ich. Zeit war noch genug. Moment mal, der Golden Mount Temple liegt ja praktisch auf dem Weg! Also ab durch die Mitte und hin da. War ja auch schwer zu übersehen, wenn man erstmal näher kommt, denn die goldene Spitze lugt ganz neckisch zwischen Bäumen hervor und dank der erhöhten Lage (79 Höhenmeter) ist das schon von weitem zu sehen.

318 Stufen standen zwiachen mir und dem verlockenden Ausblick von oben über Bangkok, also hopphopp, auf den Weg gemacht. Nicht unansstrengend, aber die Belohnung kündigte sich schon während des Hinaufkeuchens in Form des beeindruckenden Blicks an.

Der „Golden Mount“, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bangkoks

Kein Selfie und keine Fotohilfe … ich auf den Treppen nach oben

Über den Dächern von Bangkok

Definitiv kein schlechter Abschluss für meine Zeit in Bangkok! Ich muss sagen, so richtig ans Herz gewachsen ist mir die Stadt auch beim zweiten Mal nicht, doch immerhin machte sie mir keine Angst mehr! Im Gegenteil, ich fühlte mich schon fast wie ein alter Hase beim Umherlaufen in den vielen Strassen und Gassen, in denen immer (zu jeder Tages- und Nachtzeit) ein reges Treiben herrscht. Das Leben findet auf der Strasse statt. Zurück in Hamburg war das der größte Gegensatz: In Bangkok waren immer so viele Menschen draußen, in Hamburg habe ich das draußen sein nach der Rückkehr zunächst im Vergleich als sehr leer und verlassen empfunden.

Ein Kommentar zu “Letzter Stop: Bangkok oder Der zweite Versuch

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