Schming und weg

Hey, hey, Byron Bay!

Morgens aufwachen und verwundert feststellen, dass man sich in einem noch sehr fabrikneu riechenden Zelt mit Matratze zwei Meter über dem Erdboden befand, das war schon ein ganz neues, erhabenes Gefühl! Nur, das, was einen geweckt hatte, das hatte sich nicht verändert: Die australische Vogelwelt stand im steten morgendlichen Wettstreit laut, lauter, am lautesten (ab 4 Uhr waren tatsächlich Ohrstöpsel ein Muss) – vielleicht campen ich zu wenig zu Hause in Cold Germany, aber so eine Dezibelstärke haben die dortigen gefiederten Freunde nicht zu bieten, bin ich der Meinung. Das mag auch einfach am Lungenvolumen liegen – viele Vögel hier sind schon deutlich größer als der gemeine Wald- und Wiesensperling. Unser besonderer Liebling ist der “Auto-Alarm-Vogel“, keine Ahnung, wie der aussieht, aber der Spitznamen trifft schon ziemlich genau, wie er sich anhört. Für gute Laune hingegen sorgt einer der Nationalvögel, der Kookaburra, den man ja auch den “Lachenden Hans“ nennt. Zu Recht! “Lachsack“ fände ich auch noch passend, gerade wenn das Gegackere zu hören ist, wenn wir uns gerade mit dem Pavilion abmühen.

Pfannkuchenfrühstück

Ich durfte das nächste Ziel aussuchen, was mir sehr leicht fiel. Byron Bay, natürlich, mit der vollen Strand-, Pazifik- und Leuchtturm-Nummer. War jetzt auch gar nicht so weit von Mt Nimmel entfernt (was im Bereich 180km), wunderbar, da kann man sich auf dem Weg Zeit lassen. Also uns herzlich von Uwe verabschiedet, der nach Cairns hoch und dann zum Ayer’s Rock wollte, und den Walter auf die Straße gebracht. Dies war ein guter Tag für die wunderbare Funktion von GoogleMaps, “Avoid highways“ – angemacht und ab ging es durch die Küstenorte. Gleich im ersten Ort, Cabarita bei Tweed’s Head, kamen wir um einen kleinen Panoramastopp nicht herum (trotz des bewölkten Himmels), schauten uns die mutigen Surferboys und -girls an und wanderten zum Lookout Point hoch.

Der Lieblingsmensch am Lieblingselement
Die tollkühnen Surferboys auf ihren verrückten Brettern

Unser Ziel war ein Showground in Alstonville, etwas von der Küste weg, da dort (Hallo Schulferien, Hallo peak seaon) alles entweder sehr teuer oder komplett voll oder auch beides war. Das bedeutete viel Gekurve durchs ruhigere Hinterland, wo Thomas mich dann auch mal sanft ans Steuer unseres Walters schubste. Uff uff… ich hatte schon erwähnt, dass ich das mit dem Autofahren durch das Großstadtdasein etwas aus den Augen verloren habe, und jetzt direkt mit Automatik und Linksverkehr und großem Walter in einem fremden Land war das schon erstmal ganz schön aufregend. Nach gefühlt einer Stunde (in Wahrheit waren es vielleicht 15 Minuten.) hatte ich dann fürs Erste auch genug Spaß gehabt, aber der Anfang war gemacht und die erste Hürde genommen. Walter, mein Junge, wieg’ dich mal nicht in Sicherheit, da geht noch was mit dir und mir!

Sonnenuntergang über dem Alstonville Showground

Unter einem “Showground“ konnte ich mir erstmal nicht so richtig etwas vorstellen, war dann eine Art runder Fussballplatz ohne Tore mit einem überdachten Teil, wo schon jede Menge RV’s (steht übrigens für recreational vehicle) schön im Schatten und direkter Nähe zu Strom und Wasser geparkt standen. Hier finden regelmäßig Events wie die jährliche Alstonville Show (wohl was Landwirtschaftliches) oder Jahrmärkte statt. In der Zwischenzeit konnte man hier für 20 $ (unpowered) campen und beim Barbecue in der xCamp Kitchen mit anderen Campern oder der resoluten Caretakerin Narelle in näheren Kontakt kommen. Oder, wie in unserem Fall, passant am anderen Ende in der Nähe des großen Fledermausbaums stehen und sich das Ganze lieber aus der Ferne angucken. Hier waren viele Ehepaare mit großen RV’s, die ihr Haus verkauft hatten und munter durchs Land reisten. Abends sah man die Flachbildschirme durch die Fenster flimmern, nachdem Fifi (bevorzugt die Handtaschenkötergröße) Gassi gewesen war. Zugegeben nicht ganz unsere Welt. Unsere direkten Platznachbarn, ein junges Paar in einem Kombi, die jeden Abend damit beschäftigt waren, das Auto ein- und auszuräumen, weil sie da drin schliefen (die allergünstigste travelling Variante in Australien) , beneidete ich aber auch nicht. Im Gegenteil, beinahe hätte ich ihnen unser nun obsoletes grünes Igluzelt angeboten.

Endlich auch mal den Campmaster eingeweiht und so richtig Camping-gekocht

Zwei Nächte Alstonville bedeutete am nächsten Tag den ersehnten Auslug nach Byron Bay machen zu können, das nur eine gute halbe Stunde entfernt lag. Steht in allen Reiseführern als entspannter Strand-Hippie-Feeling-Ort drin, entsprechend voll und teuer waren auch die Parkplätze. Wir fanden was für lau (nee, da lag ein Zehndollarschein vor meiner Beifahrertür, also hamma sogar Gewinn gemacht!) in der Seitenstraße mit ein bisschen Abstand zum Ansturm und marschierten fröhlich los, Richtung Cape Byron. Uff, nicht ganz unanstrengend, da es verflixt warm war, der Weg schön oft bergauf ging und sich echt zog. Hmmh. Nun, ich hatte es vorgeschlagen, also möglichst fröhlich voran! Die Aussicht auf das immer weiter unter uns liegende Meer sowie die strategisch günstig verteilten Trinkbrunnen zum Auffüllen unserer Flaschen entschädigen uns für die Anstrengungen.

Byron Bay – am Strand
Der Leuchtturm lockt schon in der Ferne
Und noch mehr lockt der Ozean, die Wellen und die Brandung….

Der ersten kleinen Touriansammlung begegneten wir aber schon vor dem eigentlichen Highlight, dem Leuchturm am Cape Byron, da war dann nämlich der östlichste Punkt des australischen Kontinents (also Inseln nicht mitgezählt) – dahinter war also in ein paar Tausend Kilometern Entfernung ziemlich genau Südamerika, genauer gesagt Chile. Also fix ein Selfie vor dem strategisch günstig platzierten Schild!

Jup, da “drüben“ ist dann irgendwann Südamerika…
Cape Byron Leuchtturm
Ein Selfie fürs Poesiealbum
Blick zurück

Der Cape Byron Leuchtturm selbst diente – wie so viele Leuchttürme heute – einem größtenteils dekorativen und historischen Zweck, aber der war durchaus nicht zu verachten, wie wir und zahlreiche andere Touristen feststellten. Allerdings waren die meisten nicht auf dem Walking Track hergekommen, sondern Aussie-like mit dem Auto vorgefahren. 12 $ pro Stunde, wer kann, der kann… wir sind in die andere Richtung des Cape zurück in Richtung Stadt gelaufen und hatten so nochmal Aussicht auf den nächsten Strand, bis der Weg uns in eine Art Dschungel hineinführte, mit dichterwerdenden Bäumen, hohen Farben und allem, was dazu gehört. Die Straße war noch schwach zu hören, ansonsten hätten wir auch mitten im Regenwald sein können. Ein paar Bush turkeys liefen hier herum, sonst kein Zeichen von Leben. Ganz schön abgefahren.

“Dschungelpfad“ zurück

Auf dem Rückweg zum Showground bogen wir, eigentlich auf der Suche nach einem Eis Richtung Suffolk Beach ab, wo mir neben einem kleinen Supermarkt ein kleines Restaurant namens Yellow Flower Indian Dinner ins Auge fiel, das ein All-day Lunch Special für 11 $ anpries. “Duu-huu, Schatz?“ Schwupp, saßen wir auch schon jeder vor unserem Teller voll Curry, Salat und Papadams. Dazu gratis eisgekühlten Leitungswasser, herrlich!

Auf dem Weg zum Suffolk Beach essen wir dann noch das Eis … und sahen das Erste Schlangen-Warnschild. Brrr! Unbewusst zog ich beide Beine auf der Bank, auf der wir saßen, nach oben. Aber kein Reptil in Sicht. Puh. Dafür ein riesiger, fast menschenleeren Strand, an dem wir noch eine Weile auf- und abspazierten und auch das eine oder andere Foto machten.

Was für ein wunderbarer Tag!

Song der Stunde: Crowded House – Distant Sun

Ein Kommentar zu “Hey, hey, Byron Bay!

  1. Mutti

    Wie schön, liebe Kristin, dass du es geschafft hast, weiter an deinem Blog zu schreiben. Ich genieße es mit euch „mitfahren““ zu können.
    Freue mich über deine vielen Vogelbeobachtungen in diesem Bericht.
    Genieße die Zeit – hier ist gerade der Winter angekommen. Es scheint…

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