Schming und weg

One (more) night in Bangkok (Tag 1 + 2)

Tag 1

Aufwachen in Thailand, Jupp, das war klar was Neues. Geschlafen habe ich trotz der sieben anderen Ladies wie ein Baby. Beim Frühstück allerdings war da ganz klar ein „out of Place“-Gefühl – das ganze Hostel schien von einer Gruppe Schüler oder Studenten (das Alter lässt sich für mich bei Asiaten immer äußerst schwer schätzen) besetzt zu sein. Lauter Thais, alle klebten an ihren Smartphones oder schnackten lustig in Thai miteinander, alle in dunkelblauen Shirts mit dem Slogan „Fail faster. Succeed Sooner“ …? Ich nehme gerne Interpretationsansätze in den Kommentaren entgegen.

Das Frühstück war einfach, Toast, Marmelade, Butter, Kaffee, Tee, Saft sowie Eier zum Selberzubereiten, aber völlig ausreichend. Man sitzt sehr schön im zur Terrasse hin geöffneten Gemeinschaftsbereich, luftig und untermalt von chilliger Loungemusik. Ich kann das Siamaze Hostel wirklich mit gutem Gewissen weiterempfehlen – total sauber, alles da, was man so als Backpacker so braucht (super WLAN, Auflademöglichkeiten en Masse, Waschmaschine, abschließbare Schränke), die Betten sind so hervorragend, dass ich jedes Mal einschlafe, wenn ich mich nur reinsetze, der Waschraum ist extrem großzügig und und und. Also, ich fand es – abgesehen von dieser etwas überpräsententen asiatischen Gruppe – von Anfang an toll.

Nur mein Rucksackproblem war noch nicht gelöst. Die Hostel-Mitarbeiter wussten Bescheid, dass wohl Emirates mit dem kleinen Freund am Vormittag vorbeikommen würde. Beim Warten bin ich – Hallooo Jetlag – direkt nochmal wieder eingepennt, war aber definitiv die bessere Alternative zu weiter Horrorszenarien von anderen Reisenden googeln. Und siehe da, als ich verpennt unten nachfragte, war er tatsächlich gekommen!! Boooaah, trotz aller Plan B, C bis Z-Gedanken zur Beruhigung war ich megaglücklich, dass es tatsächlich funktioniert hätte, wie von Emirates versprochen. Also erstmal tränenreiches Wiedersehen, …ähh, ich meine, neu gepackt, den Schrank umorganisiert und frische Klamotten angezogen.

Und also los!… Ja, jetzt hielt mich ja nichts mehr davon ab, Bangkok im Sturm zu erobern, oder?

Ähäm, so ganz koscher war mir dieses ganze „Jetzt biste du also in Asien“-Ding noch nicht. Aber okay, im Hostel bleiben war jetzt auch nicht so dolle, also Stier bei die Hörners gepackt und auf zur Metro. So ganz dunkel war mir noch imKopf, dass Hua Lomphlong der Hauptbahnhof wäre, deswegen dorthin, ich könnte mich ja (wo Bangkok so überwältigend, hektisch, laut und stinkig war) schon mal wegen Weiterreise nach Chiang Mai schlau machen. Der Gedankenansatz funktionierte. Ab in die Metro, die zu den Dingen gehört, die ich in Bangkok mit am einfachsten finde, und bis zur Endstation. Die U-Bahn ist unglaublich sauber, sehr strukturiert und vermittelt ein Sicherheitsgefühl mit jede Menge Wachpersonal und Security Checks beim Reingehen. Nur die Temperatur schockte mich auch beim zweiten Mal. It’s effin‘ freezing… Ab Tag 2 dachte ich dann auch daran, extra dafür eine Jacke mitzunehmen. Ansonsten war es bedeckt und schwüle 30 Grad, sodass ein Verlassen von AirCon-Bereichen jedes Mal wie einSchlag ins Gesicht war.



An der Endhaltestelle entdeckte ich Hinweisschilder auf Sehenswürdigkeiten und lief einfach mal lustigdrauf los, mit dem Ergebnis, dass ich mitten im shabbiesten Chinatown von Bangkok landete, mit winzigen Shops, die absurden Kram verkauften (ein Laden nur mit alten Küchenwaagen). Also Offline-Karten-App an und direkt den Golden Buddha (inklusive Drumherum) angesteuert, bzw. Wat Traimit. „Jetzt bin ich schonmal hier.“ 40 Baht (= ca. 1 Euro) ausgepackt und mir den Goldjungen angesehen, der über 700 Jahre alt ist und in den 50ern zufällig wiederentdeckt wurde, als er in seiner Gipsform unplatziert werden sollte, vom Laster stürzte und ein Stück Gips abplatzte. Auftritt des größtenGoldbuddha der Welt, 5.5 Tonnen schwer und mit einem geschätzten Wert von 32 Millionen Dollar. Tja, da haben die Thais damals wohl mit dem Gips nicht nur ihre Feinde hinters Licht geführt!


Ich habe mir auch noch ein paar weitere Gebäude angesehen, die zum Komplex gehörten, und fand die allgemeine Atmosphäre trotz der Touristen sehr ähnlich wie in unseren Kirchen. Ernst und irgendwie besinnlich, viele ins Gebet versunkene Thais. Gut waren die Hinweise, dass aufgrund der Bedeutung für die Thais (und alle Buddhisten) ein Buddha weder als Dekorationsobjekt noch als Tätowierung geeignet ist. Generell muss ich mich aber noch mehr mit der Tempelkultur beschäftigen, um das alles besser zu verstehen, denke ich.

Im Bahnhof war ich nicht in der Lage, hinsichtlich der Weiterreise ernsthaft etwas zu unternehmen. Die Zugzeiten waren zwar angeschlagen, aber irgendwie überforderte mich das Ganze noch. also, lieber wieder zurück ins Hostel (mit Stop beim lokalen Supermarkt für Wasser und Kleinkram) und einfach eine Nacht drangehängt. Dort war schon der freitägliche Grillabend in vollem Gange, zu dem ich direkt eingeladen wurde. Und das war der Punkt, an dem das Siamaze endgültig bei mir auf Höchstpunktzahl schoss -jeder konnte sich gratis Sachen (neben verschiedenem Fleisch auch Gemüse und Tofu) auf den Grill legen und dann mit sehr leckerem Reis und Thaisosse futtern. Wow! Und so saß ich mit Anders und Mads aus Dänemark am Tisch und konnte endlich mal die ersten Thailanderfahrungen austauschen. Nette Jungs, die ebenfalls nach Chiang Mai wollen.

Tag 2

Alles irgendwie schon viel besser, merkte ich am nächsten Tag beim Frühstück. Langsam setzte eine gewisse Eingewöhnung ein, selbst wenn der Kulturschock immer noch immens war. Aber dass ich mich im Hostel so wohlfühlte und nun auch schon erste Bekanntschaften geschlossen hatte, war viel wert. In meinem Ladies‘ Dorm ging dagegen nix – dort wurde eigentlich rund um die Uhr nur gepennt und die Mädels blieben hinter ihren Bettvorhängen versteckt.

Die positive Stimmung wurde direkt in Aktivität umgesetzt. Gar nicht so weit vom Hostel (= 5 Metro-Stopps) fand am Wochenende der Chatuchak Weekend Market statt, ein Must-See, sagte mein Reiseführer. Oh ja… Absolut unglaublich, was dort angeboten wurde! Einfach alles, was man tragen kann (also keine Waschmaschine oder sowas), Leder, Seide, Dekoartikel, Schilder, Uhren, jede Menge Essenskram und natürlich Klamotten in allen erdenklichen Farben und Formen. Man merkte, dass das Ganze ein Touristding war –  jede Menge Besucher aus aller Welt. Bei einem leckeren Bananen-Smoothie kam ich ins Gespräch mit einem netten Paar aus Australien. 


An das echte Thai-Essen von den Straßenständen traute ich mich noch ran, aber hab einen Spieß Kartoffelchips und das berühmte Sticky Fried rice with Mango probiert sowie einen leckeren Lemon Juice mit Eis. Insgesamt ein fantastisches Erlebnis, aber ganz schön voll, und intensiv, vor allem die Geräusche und die Gerüche… Praktischerweise war in unmittelbarer Nähe der Chatuchak-Park und angrenzend der Queen Sirkirit Park. Wunderschön angelegt und eine perfekte Oase zum Wiederrunterkommen nach der Hektik des Markts.

Das Ganze erinnerte mich teils sehr an Planten un Blomen, nur größer und exotischer aus mitteleuropäischer Sicht. Bin da wirklich sehr weit gelaufen, auch weil ich eigentlich den Busterminal sehen wollte, der auf der anderen Seite des Highways war. Aber irgendwie führte da keinWeg hin. Also die ganze Strecke schön wieder zurückgestapft, durch fröhliche, fahrradfahrende Thais hindurch. Übrigens ist mir hier besonders die hohe Personaldichte und Uniformfrequenz aufgefallen, die auch in der U-Bahn etc. spürbar ist. Mindestens 25 mit „Staff“ gekennzeichnete Fahrradfahrer kamen mir entgegen.

Zurück auf dem Markt fand ich dann auch die berüchtigte animal section, wo Tiere unter leider wirklich erbärmlichen Umständen angeboten werden. Ca. 50 Küken in einem kleinen Käfig, Hundewelpen, kleine und große Katzen, Leguane, Unmengen von Vögeln und sicherlich Millionen von Fische… Ich hab keine Worte.

Zurück im Siamaze dauerte es nicht lange, bis ich im Gemeinschaftsbereich Gesellschaft von Mads und Anders bekam und eh ich mich versah, hatte ich einen Nachtbus nach Chiang Mai gebucht. Anders ärgerte sich richtig, weil sie ihre Tickets bei einer Agentur gekauft hatten und das dreifache bezahlt hatten. …tja, ich bin ein IT-Nerd, ich glaube ans Online kaufen.

Song der Stunde: Alphaville – One Night in Bangkok

4 Kommentare zu “One (more) night in Bangkok (Tag 1 + 2)

  1. Vigdis

    Mensch, Kristin wir ( Muddi und Vaddi) haben mit Begeisterung deinen interessanten Bericht gelesen und „reisen“ mit dir mit. Wir haben hier auf GC viele spannende Ausflüge gemacht und genießen die Tage hier. Bussi und weiter hin interessante Tage

  2. tönni

    jaja, die dänen.. gut so, weiter so! viel spaß noch mit dem goldjung‘ und rucksäckli is auch wieder am start, herrlich!

    1. spookykcs Autor des Beitrags

      Vermisse die Dänen – jetzt sitze ich hier mit lauter Kanadiern, Australieren, Amerikanern und Briten Immerhin ist ein Schwede dabei …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.