Schming und weg

Schon wieder „Mein Gott, Walter!“: Walter-Wellness und Wilson Promontory

21. Januar bis 23. Januar 2019

Ach, was soll ich sagen? Da hatten wir am Tag zuvor so tolle Erlebnisse auf Raymond Island gehabt und zudem mit dem Campground in Boolarra wirklich ins Schwarze getroffen – nicht zuletzt wegen den netten Mitcampern David und Yvonne – und was passiert am nächsten Morgen? Beim Verlassen des Dachzelts hören wir ein komisches Geräusch, ich werfe einen genaueren Blick auf die Befestigung auf dem Dachträger … und wir stellen fest, der ist vorne links gebrochen und zwar so, dass schon die Schraube der Zeltbefestigung dem Walter in den Lack darunter drückt.

Autsch. Das waren aber wirklich schlechte Neuigkeiten, die erstmal für ordentlich ratlose Gesichter sorgten. Aufgrund von Walters bewegter Vorgeschichte konnte man nur wage vermuten, wie alt sein Roof Rack eigentlich war. Und wie viel Belastung es hatte aushalten müssen. Die stabilste Konstruktion war es aufgrund der Besonderheiten des Modells von vornherein nicht gewesen, aber trotzdem traf uns das Dahinscheiden doch recht unvorbereitet. Hmmh! Das Zelt aufzugeben und zu unserem Notkauf-Zelt auf dem Boden zurückzukehren, war natürlich keine Option. Also musste irgendwie Ersatz her.

Dank Davids tatkräftiger Mithilfe war das Roof Top Tent ratzfatz abmontiert und Thomas düste ins nahegelegene Morwell, wo es jede Menge Fachgeschäfte für diesen Bedarf gab, um die Möglichkeiten zu sondieren, während ich mit Sack und Pack und Zelt zurückblieb und die Wartezeit mit Lesen und Bloggen herumbrachte.

Die gute Nachricht war, dass Repco tatsächlich einen Dachträger hatte, der für unseren alten Herren passen konnte. Aber natürlich war das Ding nicht vorrätig, sondern kam nach Bestellung frühestens am Donnerstag. Und eine schöne Stange Geld musste Thomas dafür auch noch hinblättern. Tolle Wurst, aber es half halt nichts.

Immerhin, das Dachzelt funktionierte auch auf dem Erdboden ganz gut und Walter selbst war ja noch voll einsatzfähig, also nutzten wir die Zeit und fuhren zeltlos am Tag nach der Hiobsbotschaft ca. 75 Kilometer nach Süden zu Australiens einzigem Nationalpark, der rundum von Wasser umgeben ist, weil er auf einer Landzunge liege: Wilson Promontory. Besonders lockte mich hier der bekannte Squaky Beach. Quietschte es da wirklich?

Bei der Einfahrt in den Park fanden wir zum ersten und einzigen Mal einen Ranger in einem kleinen Häuschen vor, der uns freundlich grüßte und uns einen Parkplan mit Beschreibungen der Wanderwege in die Hand drückte. Die Nationalparks im Bundesstaat Victoria, in dem wir uns seit dem 19. Januar befanden, kosten im Gegensatz zu beispielsweise Queensland keinen Eintritt, was für uns natürlich echt positiv war. Und dieser hier war echt sehenswert. Total abwechslungsreiche Landschaft mit verschiedenen Bäumen, Bergen und Buschland, und dahinter blitzte immer wieder der knallblaue Ozean auf. Hinter jeder Kurve wartete ein neuer traumhafter Ausblick!

Im Wilson Promontory National Park
Was ist blauer – der Himmel oder der Ozean?

Unser Ziel war zunächst aber der besagte Squaky Beach – uff, war der Car Park voll! Ganz offensichtlich waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee. Ich bekam langsam das Gefühl, dass meine Vorschläge nicht wirklich die originellsten waren – aber das ist wohl so, wenn man sie sich aus dem Reiseführer holt :)! Abgeschreckt waren wir dennoch nicht, also noch den kleinen Fußweg runter und … da lag er vor uns, ein Traum von einem Strand!

Squaky Beach

Weißer, reiner Sand, knallblauer Ozean, total klares Wasser – wie aus dem Katalog entsprungen! Aber, wie es für die australischen Strände typisch zu sein schien, mal wieder null Schatten unter der brennenden Sonne. Damit war die Aufenthaltszeit wohl begrenzt. Einige schlaue Badegäste hatten sich mit Strandzelten und Sonnenschirmen vorbereitet. Bei so viel Pracht vergaß ich erstmal ganz den Namen des Strandes und verlor mich in Wellen und Brandung, um dann irgendwann auf meine Füße zu achten. „Da quietscht ja gar nichts.“ Thomas war mir mal wieder einen Schritt voraus und demonstrierte eindrucksvoll, warum dieser Ort Squaky Beach hieß. Es quietschte nämlich nur im trockenen Sand, wo er stand, weil es an diesem Strand feinen Quarzsand gibt, der eben durch die Reibung des Drüberlaufens ein deutliches Geräusch produziert. Abgefahren!

Allzu lange hielten wir es allerdings in der prallen Sonne tatsächlich nicht aus, also weiter die Straße entlang. Der Wilson Promontory National Park zeichnete sich auch dadurch aus, dass hier der südlichste Punkt des australischen Festlandes zu finden war. Hätten wir gern besucht, gerade, weil wir in Byron Bay ja am östlichsten Punkt gewesen waren, aber dieser lag von dem, was per Auto noch erreichbar war, echt noch einen strammen Fußmarsch entfernt und so strichen wir diesen Programmpunkt und guckten uns lieber Norman Beach an – direkt am Tidal Campground gelegen, wo die Masse der Menschen uns in Erstaunen versetzte. Da wurde sogar im Car Park gecampt, eng auf eng! …hmmh, nee, nicht mein Fall!

Wellen, Brandung und quietschender Sand. Und dazu der knallblaue Himmel.
Hier quietscht es nicht…
…aber hier!
Ganz schön hell, diese Sonne!
Blick auf Norman Beach – mächtig Betrieb!
Die Wellen sorgten für ein aufregendes Badeerlebnis

Am Norman Beach war ich doch stark in Versuchung, mich doch mal in die Fluten zu stürzen, aber … naja, irgendwie ergab es sich nicht und so konnten wir ohne große Abtrockaction etc. einen Imbiss im Café des Campgrounds nehmen (yum, Fish & Chips!). Danach war das Timing gerade zu perfekt für den auf der Karte verzeichneten Wildlife Walk, der Kängurus, Wallabies, Wombats und Emus versprach – und die meisten davon wurden ja erst kurz vor der Dämmerung überhaupt aktiv. 2,3 Kilometer war auch eine überschaubare Distanz. Aber hier hatten wir zur Abwechslung mal wenig Glück. Ein paar Kängurus in der Ferne, die sozusagen übers „Rollfeld“ hoppelten (dort war der Flugplatz für die Feuerwehrflieger im Falle eines Bushfires), sonst ließen sich nur Zweibeiner entdecken. Als ein Mädel uns auch noch zurief, wir sollten aufpassen, sie wäre auf dem Weg fast auf eine Schlange getreten, sank mein Interesse am Wildlife auch schlagartig…

Einsames Känguru auf dem Rollfeld
Und langsam ging die Sonne unter

Thomas war vom Tag etwas geschafft, also setzte ich mich hinters Steuer für den doch recht langen Heimweg inklusive einer kleinen, nicht erfolgreichen Tankstellen-Odysee. Aber es war größtenteils nicht so viel Verkehr, da konnte man ganz gut dahin rollen. Wenn, ja wenn da nicht plötzlich, mitten auf dem South Gippsland Highway ein Schattten rechts vor Walters Scheinwerfern aufgetaucht wäre. Boah, so fühlt sich also ein Herzstillstand an? Da spazierte doch tatsächlich ein Koala mitten auf der Fahrbahn, Gott sei Dank nicht auf unserer Spur, sodass ich sicher sagen kann, dass Walter ihn nicht gestreift hat. Aber ob der das überlebt hat, ist zweifelhaft – uns kamen nämlich gefühlt nur wenige Sekunden danach schon wieder jede Menge Autos entgegen… Ich drücke immer noch alle Daumen, dass das gutgegangen ist! Und ja, einen Koala wollte ich gern mal auf dem Erdboden erleben anstatt immer nur chillend in der Baumgabel. Aber NICHT SO!

Der Folgetag wurde zum Walter-Wellness-Day. Zwar war leider das Roof Rack noch nicht da (ein bisschen hatten wir ja schon gehofft, dass die Lieferung schneller als angesagt wäre), aber dafür ließen wir unseren fahrbaren Untersatz in der No-Touch-Waschanlage mal schön blitzeblank waschen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht – er sah wirklich plötzlich wie neu aus! Damit noch nicht genug: Ein weiterer Schuh drückte und das aus Walters Sicht im wahrsten Sinne der Wortes. Er hatte nämlich vorne rechts einen Reifen drauf, der eine Nummer größer war als die übrigen drei… (daher auch der leichte Linksdrall) Vermutlich hatte einer der Vorbesitzer auch festgestellt, dass der Walter eine mittlerweile ungewöhnliche Schuhgröße hat. Thomas wollte nun beim örtlichen Tyremeier vorne links die gleiche Größe draufziehen lassen, zumal der Reifen wegen einem Nagel im Gummi sowieso konstant Luft verlor, musste sich aber von den Fachleuten belehren lassen, dass bei einem 4WD für die Fahrfähigkeiten auf allen vier Rädern die gleichen Reifen sein mussten. Konnte sonst zu Fehlfunktionen beim Betätigen des Drives kommen. Hmmh, haben wir ja irgendwie bis jetzt Glück gehabt…

Also, Butter bei die Fische: Die Tyremeiers wechselten die beiden hinteren Reifen auf die Vorderachse und zogen hinten zwei neue Reifen der gleichen Größe auf. Das sollte alle Probleme aber nun wirklich erschlagen

Ratzfatz ging das bei den Reifenprofis
Mein Gott, Walter, was bist du schick!

Nach dem ganzen Autokram sind wir noch auf dem Weg zurück zum Camp ground am Billys Creek entlang spaziert und einem Wallaby sowie einem Ameisenigel begegnet.

Uff, wird aber nun doch Zeit zum Weiterfahren!

Song der Stunde: Electric Light Orchestra – Mr. Blue Sky

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